Amerikanische Medienbranche unberechenbarer als je zuvor

24. Oktober 2006, 10:31
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Deutsche Zeitungen sehen Online-Konkurrenz gelassen

Nachdem der Großverleger Tony Ridder im Juni die zweitgrößte US-Mediengruppe 'Knight Ridder' an den Regionalverlag McClatchy um etwa 4,5 Mrd. Dollar verkauft hat, halten Investoren den amerikanischen Zeitungsmarkt zurzeit für unberechenbar. Dass diese Einstellung nach wie vor aktuell ist, zeigt die Reaktion der Investoren vergangene Woche: Als die Gerüchte über einen möglichen Verkauf der New York Times Überhand nahmen, stiegen die Aktien der Zeitung um 4,2 Prozent auf 28,36 Dollar und hielten sich das ganze Wochenende auf diesem hohem Niveau. Grund für die Nervosität im amerikanischen Printbereich sei die zunehmende Konkurrenz durch das Internet, berichtete gestern, Montag, die Financial Times.

"Die Auflagen sinken und die Anzeigenerlöse schwächen sich ab", erklärte Jennifer Saba vom Branchenblatt Editor & Publisher die Situation am amerikanischen Medienmarkt. Vor allem das sinkende Anzeigengeschäft mache den Zeitungen zu schaffen: Derzeit würden zwar nur fünf bis zehn Prozent der traditionellen Verlagsumsätze in das Onlinegeschäft abwandern, mittelfristig werde sich dieser Anteil jedoch auf 50 Prozent erhöhen. Kurzfristig reagieren viele amerikanische Konzerne mit Kostenkürzungen und Stellenabbau auf die immer größer werdende Konkurrenz aus dem Internet, wodurch wiederum interne Konflikte geschürt werden. So beispielsweise beim Tribune Konzern in Chicago vergangene Woche, als der Herausgeber der L.A. Times, Jeff Johnson, aus Protest gegen den Sparkurs des Konzerns zurücktrat.

Ob die Situation in Deutschland ähnlich sei, beantwortete Anja Pasquay, Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), im Gespräch mit pressetext: "Deutsche Zeitungen haben zwar durch das Internet Konkurrenz bekommen. Die derzeitig schwierige Situation der deutschen Zeitungen ist jedoch nicht nur allein durch das Internet zu Stande gekommen. So haben die wirtschaftliche Lage und strukturellen Probleme maßgeblich dazu beigetragen". Seit dem Jahrtausendwechsel hat der deutsche Zeitungsmarkt etwa 30 Prozent der Umsätze verloren, die Situation wird aber besser. "Zum Beispiel legen die Stellenangebote derzeit wieder im zweistelligen Bereich zu. Das ist ein guter Indikator, dass es wieder aufwärts geht", erläutert Pasquay.

Grundsätzlich sei das Internet aber nicht als Konkurrenz zu den Zeitungsverlagen zu sehen. "Online-Portale sind ein zusätzliches Angebot und manches ist eben günstiger und leichter im Internet zu suchen", erläutert Pasquay. Wichtig sei eine neue und starke Positionierung am Markt. So dienen Zeitungen gerade im Anzeigenbereich oftmals als cross-mediale Verbindung. Darüber hinaus bieten Zeitungsverlage eigene Webdienste und mobile Angebote wie etwas das 'Mobile-Paper' (M-Paper) an. Mit dem M-Paper kann sich der Konsument seine Zeitung auf das Handy schicken lassen. "Nicht die ganze Ausgabe. Es gibt fünf Kategorien: Internationale und nationale Politik, Lokales, Sport und Kultur. Das M-Paper ist keine ganze Zeitung aber auch keine Sammlung von verschiedenen Schlagzeilen. Es liegt dazwischen", erklärt Pasquay gegenüber pressetext. (pte)

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