Inder in Graz vor Gericht: Zusammenstoß mit Polizei wirft Fragen auf

17. Oktober 2006, 20:19
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Verhalten der Beamten wird vom UVS geprüft - Verhandlung wieder vertagt

Der Prozess gegen einen jungen Inder, der gegen zwei Polizeibeamten tätlich geworden sein soll, wurde am Dienstag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt. Ungewöhnlich ist, dass auch das Verhalten der beiden Polizisten mittlerweile überprüft wird. Zwei Zeuginnen bestätigten die Angaben des Angeklagten. Da noch weitere Personen gehört werden sollen, wurde die Verhandlung erneut vertagt.

Wie sich der Vorfall im Juli des Vorjahres abgespielt hat, ist nicht ganz klar, erzählen doch der indische Student und die Polizisten zwei völlig unterschiedliche Versionen. Sicher ist nur, dass der Inder mit seinem Fahrrad ohne Licht fuhr und deswegen von den Beamten angehalten wurde. Kurze Zeit später setzte der eine Polizist Pfefferspray ein und rang den 25-Jährigen zu Boden, um ihm Handschellen anzulegen.

Verschiedene Versionen

"Ich war immer höflich und habe niemanden angegriffen", erklärte der Angeklagte. Er habe lediglich den Dienstausweis der beiden Polizisten sehen wollen, was diese ihm angeblich verweigert hatten. Dann sei er immer wieder zurückgestoßen worden, bis der eine Beamte schließlich Pfefferspray einsetzte. Zwei Frauen, die zufällig vorbeigekommen waren, bestätigten die Angaben des Beschuldigten. "Er hatte die Hände erhoben und immer nur gefragt, was denn los sei", so die Zeugin. "Ich war irritiert, weil ich so etwas noch nie erlebt habe", meinte sie.

Tatsache ist aber auch, dass einer der Polizisten frische Verletzungen - Kratzspuren, Blutergüsse - aufwies, die ihm angeblich der Inder zugefügt hatte. "Hat der Beschuldigte geschlagen oder getreten?", fragte Richter Karl Buchgraber die Zeugin. "Nein, nie", antwortete diese mit Bestimmtheit.

Die Version des Polizisten und seiner Kollegin sah anders aus: "Er hat penetrant nach Alkohol gerochen, hat herumgeschrien und wollte uns keinen Ausweis zeigen. Wir haben gesagt, er soll Abstand halten, als er das nicht tat, habe ich den Pfefferspray eingesetzt", so der Polizist. Seitens des UVS (Unabhängiger Verwaltungssenat) wird nun geprüft, ob das Vorgehen der beiden Beamten gerechtfertigt war.

Intendantin des steirischen Herbstes verwiesen

Der Prozess hat mittlerweile eine gewisse Popularität erlangt, neben zahlreichen Pressevertretern waren auch unbeteiligte Zuhörer anwesend. Unter ihnen die Intendantin des "steirischen herbstes", Veronika Kaup-Hasler. Sie wies den Richter darauf hin, dass er die Angaben einer Zeugin nicht ganz korrekt protokolliert hatte, woraufhin sie des Saales verwiesen wurde. (APA)

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