Streit um lesbischwule Feiern in Rom

30. Juni 2000, 20:46

Widerstand des Vatikan

Rom - In Rom beginnt am Samstag ein einwöchiges Festival der Lesben und Schwulen, zu dem 300.000 Menschen erwartet werden. Höhepunkt der Feiern der Menschen aus aller Welt soll am 8. Juli ein Umzug ähnlich der in deutschen Städten gefeierten Christopher-Street-Day-Paraden werden. Wegen des Widerstandes des Vatikans ist die Route des Umzugs noch umstritten. OrganisatorInnen der "World Pride Parade" erklärten, sie wollten daran festhalten, um das Kolosseum zu ziehen. Die römisch-katholische Kirche hat vor allem auch wegen der Feiern zum Heiligen Jahr 2000 und der vielen TouristInnen Vorbehalte gegen die öffentliche Zurschaustellung lesbischwuler Lebensweisen.

Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano sagte, niemand könne von der Kirche erwarten, etwas gut zu nennen, was von Natur aus ein Übel sei. Die OrganisatorInnen dagegen argumentieren, mit den Feiern in der Ewigen Stadt wollten Lesben, Schwule und Transgender Anerkennung und Gleichbehandlung erreichen. Rom sei gewählt worden, weil man hier besonders gut demonstrieren könne, dass alle Kämpfe um BürgerInnenrechte als Einheit zu verstehen seien. Das müsse auch die Kirche anerkennen, sagte eine Sprecherin des lesbischwulen Zentrums am Freitag in Rom.

Im europäischen Ausland laufen die jährlichen Umzüge der Lesben und Schwulen unter dem Namen World Pride (Weltstolz). In deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin, Köln, München und Frankfurt/Main werden die Feste als CSD-Paraden bezeichnet, genannt nach dem Christopher-Street-Day-Umzug in New York. Dort wird an die Emanzipation der Lesben und Schwulen in der Bar Stonewall in der Christopher Street im Jahre 1969 gedacht. Der damalige Kampf gegen die New Yorker Polizei gilt inzwischen als Geburtstag der internationalen Bewegung. Berlin feierte den CSD am vergangenen Wochenende, Köln tut dies am 1. und 2. Juli. (Reuters)

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