"Nur keine Wellen": ORF-Familiensaga macht in den 1960ern Station

28. Oktober 2006, 10:08
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ORF zeigt zweite Folge von Sicheritz' fünfteiliger Spielfilmreihe "Mutig in die neuen Zeiten" wieder am Nationalfeiertag - "Schauspieler-Nationalmannschaft" im Einsatz

Für das TV-Hauptabendprogramm der Nationalfeiertage hat der ORF bis 2009 ausgesorgt. Die im "Gedenkjahr 2005" gestartete fünfteilige Zeitgeschichts-Spielfilmreihe "Mutig in die neuen Zeiten", bei der Harald Sicheritz für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, ist auf ihrem Weg von den unmittelbaren Nachkriegsjahren in die Gegenwart heuer in den 1960er-Jahren angelangt. Teil zwei, "Nur keine Wellen", wird, wie schon der Auftaktfilm "Im Reich der Reblaus", staatstragend am 26. Oktober gezeigt, die ebenfalls bereits abgedrehte dritte Folge ("Alles anders") folgt in genau einem Jahr.

Scolik: "Schauspieler-Nationalmannschaft"

"Die Zielgruppe ist Österreich" ließ Scolik am hohen, umfassenden Anspruch keinen Zweifel ("Im Reich der Reblaus" erreichte bis zu 1,01 Mio. Zuseher), und dafür hat man eine fast unglaubliche Besetzung aufgeboten. "Wir haben die Besten versammelt", meinte Scolik, "eine österreichische Schauspieler-Nationalmannschaft, die jederzeit bei Welt- und Europameisterschaften mithalten kann."

Tatsächlich ließe sich wohl leichter anführen, wer vor der Kamera von Thomas Kürzl nicht auftaucht. Nina Proll, Johannes Silberschneider, Franziska Weisz und Michou Friesz halten etwa die Ehre der Arbeiterschaft hoch, Roland Düringer bietet einen intriganten, widerlichen Wendehals aus dem Bilderbuch, Harald Krassnitzer und August Zirner sind personifizierte Gutmenschen unterschiedlicher Religionen und Helmut Berger spielt einen unverbesserlicher adeliger Ex-Nazi, der nun eine Landtags-Karriere versucht.

Generationsübergreifend

Noch die kleinste Rolle ist (u.a. mit Dorothee Hartinger, Lavinia Wilson, Nicholas Ofczarek, Adele Neuhauser, Martin Brambach und Wolf Bachofner) exquisit besetzt. Und weil es "ein dynastischer Film ist, der über die Generationen geht" (Mis), stehen zwei Väter an der Seite ihres Nachwuchses vor der Kamera: Erwin Steinhauer spielt einen einst gefeierten Schauspieler, der sein vergebliches Glück im Kellertheater versucht und bei Tortenschlachten im Fernsehklamauk endet, sein Sohn Matthias Stein ("Das 'hauer' hab ich weggegeben") bietet eine Talentprobe als Jungmusiker Charlie, der in Hamburg "beinahe" mit den Beatles spielt und statt in die große, weite Welt lieber heim nach Simmering fährt. Fritz Karl dagegen, der als kommunistischer Drucker von Sicheritz wenig Farbe bekommen hat, konnte am Set stolz die Arbeit seiner Kinder Aaron und Josefin verfolgen.

Sittengemälde

Teil drei, der im Sommer dieses Jahres gemeinsam mit Teil zwei gedreht wurde und 2007 ausgestrahlt wird, spielt in den Jahren 1974 bis 1976. Da mancher Übereifer des Drehbuches durch die Ernsthaftigkeit des Vorhabens mehr als wettgemacht wird, scheint es gut möglich, dass "Mutig in die neuen Zeiten" einst in einem Atemzug zwar nicht gerade mit der "Alpensaga", aber doch immerhin mit der "Arbeitersaga" genannt werden wird, als ein TV-Geschichtsbuch, "nicht als Geschichte der Herrschenden, sondern als Sittengemälde erlebter Alltagsgeschichte" (Sicheritz). "Nur, wenn wir wissen, wo wir herkommen, können wir ahnen, wo wir schon längst sein sollten", meinte der Regisseur und zitierte aus der Bundeshymne ein wenig über den Serien-Titel hinaus: "Mutig in die neuen Zeiten, frei und gläubig sieh uns schreiten, arbeitsfroh und hoffnungsreich." (APA)

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