Wedeln bedeutet nicht immer Freude

31. Oktober 2006, 09:13
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Sozialfaktor Hund: Enquete "Mit dem Hund in Wien" für konfliktarmes Zusammenleben in der Stadt

Der Hund in der Großstadt hat's gut, mag man meinen. Nicht nur vom Frauchen oder Herrl bekommt er Aufmerksamkeit, sondern von der ganzen Stadt. Doch nicht alle sind dem Hund wohl gesinnt und fast ausschließlich geht es den Mitmenschen um seine Toilette-Angelegenheiten.

Die Tierschutz-Enquete im Wiener Rathaus am Montagabend hatte zwar "Mit dem Hund in Wien" zum Thema, streifte das Hundekot-Problem, dem die Stadt mit der neuen Kampagne "Nimm ein Sackerl für mein Gackerl" entgegensteuern will, nur marginal. Durch die Aufklärung der Hundehalter über die Haltung, die Verhaltensweisen und Bedürfnisse ihrer Tiere, wollte man zur Konfliktvermeidung zwischen Hund und Tier beitragen, sagt Walter Reisp, Leiter des Veterinäramts Wien (MA 60). "Die Verantwortung für ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben von Hund und Mensch liegt immer beim Hundehalter und niemals beim Tier", macht Tierschutzstadträtin Sonja Wehsely aufmerksam.

Hunde haben soziale Bedeutung

Bereits vor 65.000 Jahren sei der Hund ein Weggefährte des Menschen gewesen, sagt Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstation in Grünau. Im Nahen Osten hätten sich die Menschen auf ihrer Wanderung von Afrika aus mit Wölfen zusammengetan, zeitgleich freundeten sich die Bewohner Australiens mit Dingos an. Hunde haben soziale Bedeutung für den Menschen, in der Therapie beispielsweise oder auch für die Kindesentwicklung. Sie seien auch ein großer Wirtschaftsfaktor, betont er: 1,5 Milliarden Euro fließen jährlich in Hundenahrung, Tierarztbesuch und Steuern.

Kotrschal weist aber auch auf die negative Seite dieser engen Beziehung zwischen Tier und Mensch hin. Denn wenn es zu Angriffen komme, dann fast ausschließlich im engsten Umkreis - "ähnlich wie Gewalttaten bei Menschen", vergleicht der Zoologe. Auf hundert Hunde komme eine Verletzung, 600.000 Hunde gibt es laut Kotrschal in Österreich.

Besitzer verstehen Hunde oft nicht

Der Grund für Angriffe ist, dass viele Hundebesitzer ihre Hunde nicht verstehen. Der Wiener Tierschutzombudsmann bietet aus diesem Grund den Hundeführschein an, der auch die Kommunikation lehrt. "Wedeln ist nicht automatisch Freude", sondern Aufregung in jeglichem Sinne, sagt Eva Persy von der Ombudsstelle. Auch wie, wann und wo man dem Hund den Beißkorb anlegt, ist einer der Bestandteile der Prüfung. "Viele Fehler passieren aus Unwissen, nicht aus Bosheit", meint Walter Reisp. Die Sackerl-Aktion werde "ein mühsamer Weg", aber "à la longue" auch Erfolg haben, sagt er. (Marijana Miljkovic/DER STANDARD; Printausgabe, 17.10.2006)

  • Vorbildlich vor der Hofburg: Hund an der Leine
    foto: standard/cremer

    Vorbildlich vor der Hofburg: Hund an der Leine

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