Elsner: Entscheidung neuerlich vertagt

19. Oktober 2006, 13:41
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Das Gericht in Aix-en-Provence will nun erst am Donnerstag die Transportfähigkeit des Ex-Bawag-Chefs beurteilen

Wien - Das französische Gericht in Aix-en-Provence hat die Entscheidung über die Transportfähigkeit von Helmut Elsner am Dienstag neuerlich vertagt. Es soll nun erst am Donnerstag entschieden werden, ob der unter schwerem Betrugsverdacht stehende ehemalige Generaldirektor der Bawag nach Österreich ausgeliefert werden kann.

Bei der Verhandlung am Dienstag lagen den drei Richtern widersprüchliche Gutachten vor. Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger hatte Elsners Zustand als "stabil" eingestuft und für seinen Transport nach Österreich grundsätzlich grünes Licht gegeben. Dieses Gutachten beruhe auf einer Untersuchung Elsners vom 2. Oktober, hielt dem der Anwalt des Bankiers, Gerard Baudoux, entgegen. Zwei neuere Untersuchungen in der Privatklinik, in der sich Elsner zurzeit aufhält, würden seinen Zustand hingegen als instabil einschätzen und sowohl von einem längeren Transport als auch von einem möglichen Stress abraten, da sonst eine Herzkrise nicht auszuschließen sei. Baudoux forderte eine neuerliche Untersuchung Elsners durch einen Gerichtsmediziner.

Die grundsätzliche Entscheidung, Elsner - wie im europäischen Haftbefehl verlangt - auszuliefern, fiel bereits Ende September. Elsner selbst ist am Dienstag nicht selbst vor Gericht erschienen. Der behandelnde Kardiologe ließ wissen, dass sein Zustand dies nicht zulasse.

Staatsanwalt für Auslieferung

In der Verhandlung hat sich Staatsanwalt Bertrand Charpentier für die Auslieferung ausgesprochen. Er begründete dies mit dem Bericht des gerichtlichen Sachverständigen vom 2. Oktober, der keine Gefährdung Elsners durch den Transport gesehen hatte und damit, dass Österreich eine Flugambulanz zur Verfügung stellen wolle. Charpentier wies außerdem darauf hin, dass Elsner kurz nachdem er auf Kaution freigelassen worden war, die 200 km in sein Domizil in Mougin transportfähig war und auch vom behandelnden Arzt damals grünes Licht für seinen Transport erhielt.

Dieses Gutachten sei veraltet, meint Baudoux. Aus Marseille nach Mougins sei Elsner auch nur gebracht worden, weil er im Spital in Marseille von Journalisten in unterträglicher Form belästigt worden sei. Der Richter wies allerdings darauf hin, dass gerichtliche Gutachten mit Vorlaufzeit bei der Auftragserteilung und Nachlaufzeit bei der Verfassung immer zwei Wochen alt seien. Wenn der Anwalt nun die Aktualität bezweifle, dann laufe man Gefahr, alle vierzehn Tage neue Gutachten zu bestellen. (APA/red)

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Bawag
  • Elsner befindet sich aufgrund einer Kaution in Höhe von einer Million Euro derzeit auf freiem Fuß.
    foto: standard/regine hendrich

    Elsner befindet sich aufgrund einer Kaution in Höhe von einer Million Euro derzeit auf freiem Fuß.

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