Bauern der Jungsteinzeit auf der Spur

27. Oktober 2006, 13:14
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An Hand von zwei Ausgrabungsorten in Niederösterreich sollen Lebensumstände umfassend rekonstruiert werden

Wien - Unter anderem mysteriösen steinzeitlichen "Schlitzgruben" - zwei Meter lange und 20 bis 40 Zentimeter breite Gräben - wollen Wissenschafter um Eva Lenneis vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien im Rahmen eines Forschungsprojekts auf den Grund gehen. Die Archäologen gehen den niederösterreichischen Ausgrabungen Mold und Rosenburg im wahrsten Sinn des Wortes auf den Grund. Die Arbeiten werden vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.

Geplante Rekonstruktion

Die Wissenschafterin möchte die Lebensumstände der ersten Bauern in der Jungsteinzeit erstmals umfassend rekonstruieren. Bekannt ist, dass im späten 6. Jahrtausend vor Christus bereits eine Kombination aus Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde. Weitere Aspekte des bäuerlichen Alltags sind für das Gebiet des heutigen Österreich bisher nur lückenhaft erforscht.

Noch keine schlüssigen Hinweise gibt es zur Funktion der immer wieder in vergleichbaren Ausgrabungen gefundenen Schlitzgruben. Alleine in Rosenburg wurden rund 20 der bis zu 1,5 Meter tiefen Gruben gefunden. "Es gibt Hinweise, dass die Gruben immer wieder mit Wasser gefüllt waren, daher könnte es sein, dass sie zum Gerben von Leder dienten", erklärte Lenneis gegenüber der APA. Spuren von Gerbsäuren wurden bisher allerdings nicht gefunden, daher bleibt die Sache mysteriös.

Keine Hirschfallen

Für eher unwahrscheinlich hält es die Wissenschafterin, dass die Gruben als Fallen etwa für Hirsche angelegt wurden. Auch diese Theorie wurde von Kollegen bereits geäußert. "Zum Thema befragte Jäger haben die Fallen-Hypothese zurück gewiesen, ein Hirsch wäre nie in eine derartige Falle gegangen", so die Forscherin.

Puzzle-Spiel

Die Arbeit mit den uralten Funden gleicht einem Puzzle-Spiel, von dem die meisten Teile verloren sind. Unter anderem werden gefundene Tierknochen, Pflanzenreste sowie Keramik- und Steingerätfunde eingehend untersucht. So soll etwa geklärt werden, welchen Stellenwert der Anbau von Getreide gegenüber dem Sammeln von Wildpflanzen bereits eingenommen hatte. Lenneis interessieren darüber hinaus die übergeordneten Wirtschaftsstrukturen sowie die Relationen und Hierarchien zwischen den einzelnen Siedlungen und innerhalb derselben.

Die zwei Fundstätten im Waldviertel sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Insbesondere die vier Hektar große Siedlung Mold zeichnet sich durch die außergewöhnliche Qualität der Funde aus. Rosenburg gilt dagegen als Sonderplatz. Die Siedlung lag unüblicherweise mitten im Wald, Landwirtschaft wurde kaum betrieben. Das Forschungsprojekt läuft bis 2008. (APA)

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