Wissen: Armut frisst die Freiheit auf

16. Oktober 2006, 19:19
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Die Armutsschwelle liegt in Österreich bei 848 Euro oder 60 Prozent des Median-Pro-Kopf-Einkommens

Wenn Statistiker von Armut und sozialer Ausgrenzung reden, meinen sie nicht Pappschachteln am Bahnhof oder Plastikbecher zum Betteln, sondern geringes Einkommen plus schwierigste Lebensbedingungen als "Mangel an Möglichkeiten" - kaum Möglichkeit, in zentralen Gesellschaftsbereichen in einem Mindestmaß teilnehmen zu können: Wohnen, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Sozialkontakte, Bildung. "Wer verarmt, verliert substanzielle Freiheiten", sagt die Armutskonferenz.

Die Armutsschwelle liegt in Österreich bei 848 Euro oder 60 Prozent des Median-Pro-Kopf-Einkommens (jenes Grenzeinkommen in der Mitte aller Einkommen, die Hälfte verdient weniger, die andere Hälfte mehr, es meint also nicht das Durchschnittseinkommen aller österreichischen Einkommen). Die meisten Einkommen liegen weit darunter.

In Österreich sind 460.000 Menschen oder sechs Prozent der Wohnbevölkerung von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, Frauen stärker als Männer. Ein Viertel der Armutsbevölkerung sind Kinder, ihre Eltern sind meist zugewandert, erwerbslos, allein erziehend oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können. Ein Drittel der Betroffenen sitzt dauerhaft unter den Bedingungen von Armut und Ausgrenzung fest, die Hälfte aller akut armen Personen ist etwa ein Jahr in dieser prekären Lage.

Armut und Armutsgefährdung in Zahlen sieht so aus: Akut arm sind 113.000 Kinder/Jugendliche, 250.000 Frauen, 210.000 Männer, 98.000 Pensionisten (vor allem Frauen), 91.000 working poor (trotz Jobs arm) und 120.000 Migranten. Knapp eine Million Menschen in Österreich sind "armutsgefährdet", ihr Einkommen liegt unter der Armutsgrenze von 848 Euro. (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2006)

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