Sturms Spiel um die Existenz

19. Oktober 2006, 16:26
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Hier können die Spieler nicht mehr helfen, bleibt die Finanz hart und fehlen Investoren, droht den Blackies der Abstieg in die Regionalliga

Graz - Auch das ist Sturm. Oder eigentlich: genau das ist Sturm. Immer dann, wenn's eng wird, wenn die Fans die Augen zumachen, weil das Licht ohnehin schon ausgeblasen scheint, erwacht der Geist, der Sturmgeist, der legendäre.

Und jetzt, in der Stunde der existenziellen Bedrohung, der Horrorvision, dass die Blackies in der Regionalliga überwintern könnten, schossen die Sturmler Rapid mit 2:0 vom Platz. "Sturm lebt noch. Das haben wir heute gezeigt", schrie es aus Klaus Salmutter.

Zwar nicht in Rufweite, aber zumindest sehr nahe beim Stadion, brüten in dieser Woche noch die Finanzer vom zuständigen Amt in der Grazer Hötzendorfstaße, ob Sturm in der jetzigen Form weiter existieren kann.

"Das Finanzamt soll uns eine Chance geben. Ich bitte die hohen Finanzbeamten, Sturm nicht sterben zu lassen", erlebte die Grazer Fußballwelt am Wochenende einen viel geschmähten und nun flehenden Präsidenten Hannes Kartnig. Seine Hoffnung: Vielleicht steigt die Behörde doch noch auf eine Ratenzahlung der ausstehenden Finanzschulden in der kolportieren Höhe von 1,2 Millionen Euro ein. Noch zeigt das Finanzamt aber keinerlei Entgegenkommen. Zu locker und viel lange hat sich Sturm offenbar schon gespielt.

Bis Freitag um 15:30 Uhr ist noch Zeit. Dann läuft das Ultimatum der Finanzprokuratur, die den Konkursantrag eingebracht hat, ab. Geht nichts mehr, läutet am darauf folgenden Montag der Konkursrichter zur zweiten Tagsatzung. Treibt Kartnig bis Freitag nicht neue Geldgeber auf - eine Investorengruppe ist vor wenigen Tagen, die Altlasten vor Augen, wieder abgesprungen - und bleibt die Finanz hart, wird der Masseverwalter entscheiden, wo Sturm landen wird. Womöglich gar in der Regionalliga.

Eine der letzten Hoffnungen von Kartnig, der zuletzt mehrmals die Nähe zu Finanzminister Karl-Heinz Grasser gesucht hat, ruhen nun auf Youngster Christoph Leitgeb, der um einiges Geld verkauft werden könnte. Der Troubles aber nicht genug, ließ jetzt auch Sturms Wundertrainer Ivica Osim wieder von sich hören. Er verlangt angeblich, dass ihm endlich noch ausstehende Gelder bezahlt werden. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe 17. Oktober 2006)

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    Da gehen sie dahin, die Sturm-Spieler...

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