Männervorzug bringt nichts

23. Oktober 2006, 11:14
66 Postings

90 Prozent Volksschulehrerinnen: Statt Einmalaktion zu starten, fordert SPÖ in Oberösterreich, Beruf attraktiver gestalten

Linz - Oberösterreichs SPÖ-Klubobmann Karl Frais fühlt sich in seiner Meinung bestätigt: Vorige Woche hatte sich der Landesverfassungsdienst der Auffassung des SPÖ-Rechtsgutachtens angeschlossen, dass Männer bei der Anstellung als Volksschullehrer nicht bevorzugt werden dürfen.

Landsschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP) hatte das für dieses Schuljahr angekündigt, um das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern abzuschwächen. 90 Prozent Lehrerinnen stehen zehn Prozent Lehrer gegenüber.

Trotz des Neins der SPÖ für Enzenhofers Pläne, will sich Frais aber nicht vorwerfen lassen, destruktiv zu sein. Denn "bei der Problemerkennung" sei man "gleicher Ansicht". Eine bessere Durchmischung des Lehrpersonals sei aus pädagogischen Gründen wünschenswert.

Enzenhofers Vorschlag, die 14 Männer auf der Warteliste sofort in den Schuldienst zu übernehmen, bezeichnet er als "Staubsauger"-Methode: "Mit einem Mal sind alle männlichen Lehrer weg." Der Lösungsansatz des Landesschulrats sei nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus inhaltlicher Sicht nicht akzeptabel. Zum einen würden Frauen offensichtlich diskriminiert, da ungeachtet der Qualifikation und Objektivierung Männer bevorzugt würden. Zum anderen vermisst der SPÖ-Klubobmann hinter der "Einmal-Aktion die Nachhaltigkeit".

Offene Ausbildung

Um den Lehrerschwund zu stoppen, will die SPÖ bei der Ausbildung ansetzen. Dazu müsse das Berufsbild attraktiver gestaltet werden, etwa mit berufsbegleitender Förderung. So solle die Möglichkeit geschaffen werden, auch an einer höheren Schule unterrichten zu können. "Nach Abschluss der Ausbildung zum Volksschullehrer ist derzeit die Berufslaufbahn beendet", kritisiert Frais. Aufs Finanzielle will er gar nicht näher eingehen, denn Lehrerinnen üben den Beruf seit Jahren für diese Bezahlung aus. Warum vor allem Volksschullehrer zu einem typischen Frauenberuf geworden ist, ließe sich durch eine Erhebung der Maturanten in Erfahrung bringen.

Den (mittlerweile) gestorbenen Plan, die männlichen Lehramtsanwärter sofort anzustellen, sah Enzenhofer ohnehin nur als Soforthilfe an. Er will vor allem bei den Schulabgängern für die Lehrerausbildung werben. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10. 2006)

Nachlese

Kein Vorzug für männliche Volksschullehrer
Oberösterreichische Initiative einer Männerquote ist vorerst gescheitert
Share if you care.