Grazer Student angeschossen

20. Oktober 2006, 14:02
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26-Jähriger geriet in Schusswechsel zwischen Polizei und Posträuber: Kugel eines Querschlägers traf ihn am Kopf

Graz – Zu Szenen wie aus einem Kriminalfilm ist es am Montagmorgen im Grazer Univiertel gekommen. Nachdem um etwa 8.40 Uhr ein maskierter Mann ein Postamt in der Moserhofgasse überfallen und Angestellte wie Kunden mit einer Faustfeuerwaffe bedroht hatte, wurde Minuten später und etwa zwei Kilometer entfernt vom Postamt eine Polizeistreife in der Merangasse nahe der Grazer Uni auf einen Radfahrer aufmerksam. Der Mann ähnelte der Beschreibung des flüchtigen Posträubers und stellte sich auch als dieser heraus.

Denn als einer der Polizisten aus dem Auto stieg und eine Ausweiskontrolle durchführen wollte, eröffnete der Mann das Feuer. "Dann hat der Mann dreimal auf den Polizisten geschossen", berichtet Walter Verbic vom Landeskriminalamt im Gespräch mit dem Standard, "daraufhin hat der Polizist einmal gezielt und einmal in die Luft geschossen." Verletzt wurde bei dem wilden Schusswechsel auf einer stark befahrenen Straße aber weder der Polizist noch der mutmaßliche Posträuber, sondern ein völlig unbeteiligter Student.

Der 26-jährige Patrick St. wollte gerade zu einer Prüfung radeln, als er von einem Querschläger am Ohr getroffen wurde und durch die Wucht von seinem Rad geschleudert wurde. Aus welcher Waffe die Kugel stammte – aus jener des verdächtigten Mannes oder des Beamten – war am späten Nachmittag laut Verbic "noch völlig unklar".

Außer Lebensgefahr

Der junge Mann wurde ins LKH Graz gebracht, wo man ihn am Nachmittag operierte. "Es war auf alle Fälle eine kritische Verletzung, aber er ist außer Lebensgefahr", erklärte eine Sprecherin des LKH Graz. "Es war ein Streifschuss. Es wäre jedoch unseriös, jetzt schon zu sagen, ob es Spätfolgen geben wird, denn der Patient ist noch nicht bei Bewusstsein." Der Student, der in Graz lebt, wird vorerst auf der Intensivstation bleiben. Mehr Glück als Patrick St., der zur falschen Sekunde am falschen Ort gewesen war, hatte eine junge Mutter, die in unmittelbarer Nähe mit ihrem Kind im Kinderwagen vorbeigegangen war. Der Posträuber war zu Redaktionsschluss noch immer flüchtig, wie viel er genau erbeutet hat, ist unbekannt. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10. 2006)

Nachlese

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    In der Merangasse, unweit der Karl-Franzens-Uni, wurde ein 26-Jähriger auf seinem Rad von einer Kugel am Kopf getroffen. Ob Polizei oder Posträuber sie abfeuerten, ist unklar.

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