Flughafenzug CAT entwickelt sich "ungewöhnlich"

17. November 2006, 15:22
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Heuer bisher 16 Prozent Plus bei Fahrgastanzahl – Elf Prozent der Airport-Passagiere nutzen den Zug

London/Wien – Rund 1,9 Milliarden Passagiere reisen jährlich mit dem Flugzeug. "Aber nur ein geringer Anteil davon nutzt die Eisenbahn als Zubringer zum Flughafen. Grund: Nur 120 Airports weltweit verfügen über eine direkte Eisenbahnanbindung", erläutert Andrew Sharp, Generaldirektor der International Air Rail Organisation (IARO), einer Einrichtung, die sich mit Eisenbahnlinien zu Flughäfen beschäftigt. Zu diesen Flughäfen mit Bahnanschluss gehört die Haltestelle des Flughafen Graz ebenso wie der Bahnhof der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge von Lyon Satolas oder der Narita-Express in Tokio.

Zwar befassten sich weltweit 300 Projekte mit Neubauten oder Verbesserung bestehender Eisenbahnlinien zu Airports, "aber aufgrund der enormen Investitionen werden wohl nur drei bis vier neue Linien pro Jahr realisiert", so Sharp. Zum Beispiel betrugen die Baukosten des Heathrow Express in London 600 Millionen Euro. Global gibt es sogar nur 14 private Gesellschaften, die Flughafenzüge, sei es in London, Oslo, Mailand oder auch den Transrapid in Schanghai, betreiben. Dazu gehört auch der City Airport Train (CAT) in Wien.

Der CAT, ein Jointventure des Wiener Flughafens (50,1 Prozent) und den ÖBB, liege heute im internationalen Vergleich laut IARO, nach einem sehr zähen Start im Dezember 2003, im Spitzenfeld weltweiter Flughafenzüge. "Aus unserer Sicht hat der CAT eine ungewöhnliche Entwicklung genommen. Denn während viele Airportzüge einen rasanten Start hinlegten und dann das Interesse der Fahrgäste wieder abflaut, ist es beim CAT umgekehrt", analysiert Sharp. Mittlerweile benutzen elf Prozent aller Passagiere des Wiener Flughafens (heuer werden voraussichtlich 17 Mio. abgefertigt) den CAT als Transportmittel zwischen Airport und Innenstadt. Gemeinsam mit der Bahnlinie S7 fahren heute 22 Prozent mit der Bahn.

"Das ist insofern beachtlich, als dieser Wert im Jahr 2003 bei lediglich fünf Prozent für den Schienenverkehr lag", sagt Friedrich Lehr, CAT Geschäftsführer. Lehr rechnet heuer erstmals mit einer Million Fahrgäste für die täglich 72 CAT-Züge. In den ersten neun Monaten stieg die Zahl der Fahrgäste um 16 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum vom Vorjahr. Finanziell liege der um 16,2 Millionen Euro entstandene CAT voll im Plan. Ein Umsatz von neun Millionen Euro werde heuer angepeilt, das Ziel, Anfang 2008 den Break Even zu erreichen, sei trotz hoher Betriebskosten realistisch.

Faktum ist, eine hohe qualitative Pünktlichkeits- und Zuverlässigkeitsrate bei Airport-Zügen kostet: So muss die Betreibergesellschaft jährlich 800.000 Euro Schienenmaut entrichten. Für die Lokmiete von der ÖBB, Wartung der Züge etc. sind rund zwei Millionen Euro zu berappen. Zusätzlich kommen aber noch 400.000 Euro Betriebskosten (inkl. Abschreibungen, aber ohne Personalkosten) des City Terminals in Wien Mitte hinzu. Daher prüft CAT mittelfristig Alternativen, wie den Einsatz von Triebwagen statt Loks und Doppelstockwagons. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10.2006)

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    foto: standard/robert newald
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