25. Oktober 2006, 11:40
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Einer der profiliertesten russischen Journalisten, Waleri Panjuschkin, hat aus Protest gegen die politische Kultur im Land seine Kolumne in der Zeitung "Kommersant" eingestellt. "Es wird immer schwerer, politische Kolumnen zu schreiben, weil es an Politik im Land mangelt", schrieb Panjuschkin am Montag in seiner Abschiedskolumne. Die Staatsmacht habe jede Diskussion über politische Alternativen zum Erliegen gebracht. Seine Entscheidung habe nichts mit dem Mord an der regierungskritischen Journalisten Anna Politkowskaja zu tun.

Kreml bestimme Themen

In Russland bestimme allein der Kreml, über welche Themen berichtet werde, sagte der mit dem wichtigsten russischen Journalistenpreis "Goldene Feder" ausgezeichnete Autor dem Radiosender "Echo Moskwy". Regierungstreue Journalisten zeichneten sich dadurch aus, dass sie die Vorgaben von oben haargenau erfüllten. Auf der Gegenseite seien die Mitarbeiter der letzten kritischen Medien bemüht, die offizielle Position zu einem bestimmten Thema zu widerlegen. Für unabhängige Journalisten mit eigener Sicht der Dinge bleibe kein Platz mehr.

Kolumnen für "Kommersant" und "gazeta.ru"

Panjuschkin machte seine Entscheidung wenige Wochen nach der Übernahme der bisher regierungskritischen Tageszeitung "Kommersant" durch den kremlnahen Industriellen Alischer Usmanow bekannt. In Europa erschien im Oktober Panjuschkins Buch über den Aufstieg und Fall des Ölmilliardärs Michail Chodorkowski. Panjuschkin hatte sich in den vergangenen Jahren mit Kolumnen für "Kommersant" und die Internetzeitung "gazeta.ru" in Russland einen Namen gemacht. (APA/dpa)

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