Hinweise auf US-Terrorfahndung im Raum Ulm

17. Oktober 2006, 09:07
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Verbindungen zu Al-Kaida-Zelle: stern.de und "Report Mainz" berichten von Sichtung eines "bewaffneten Amerikaners mit großem Funkgerät"

Hamburg/Wien - Der US-Geheimdienst CIA hat offenbar vor der Entführung von Khaled el-Masri Anfang 2004 detaillierte Informationen über den Deutsch-Libanesen und die radikale Islamistenszene in dessen Wohnort Ulm/Neu-Ulm eingeholt. Nach Recherchen von stern.de und dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" gibt es Hinweise, dass amerikanische Terrorfahnder im Frühjahr 2003 unter falscher Identität und mit illegalen Methoden in Neu-Ulm ermittelten.

Zeugenberichte

Nach detaillierter Darstellung eines im bayerischen Neu-Ulm lebenden deutschen Ehepaars gegenüber stern.de und dem ARD-Magazin verlangte in den ersten Apriltagen 2003 ein Mann mit amerikanischem Akzent Zutritt zu ihrer Wohnung, um von dort aus ein gegenüber liegendes Haus zu observieren. Der bewaffnete Mann, der ein großes Funkgerät mit sich führte, habe sich nicht ausgewiesen. "Er sprach sehr gut deutsch, aber mit amerikanischem Slang", sagt der Wohnungsmieter. In dem gegenüberliegenden Haus lebte die Witwe eines islamistischen Tschetschenien-Kämpfers.

Observierungen zugegeben

Das zuständige bayerische Innenministerium erklärte, man habe "keine Erkenntnisse" über Observierungen von Amerikanern in Neu-Ulm. Zugleich bestätigte das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg gegenüber stern.de, dass einer ihrer Beamten am 9. April 2003 von der Wohnung des Neu-Ulmer Ehepaars aus observiert habe. Nach Erinnerung der Eheleute war der Besuch des mutmaßlichen Amerikaners jedoch vorher gewesen. "Wenn nötig sagen wir vor dem Berliner Untersuchungsausschuss unter Eid aus, was damals passiert ist", so das Ehepaar.

Verbindungen zu Al-Kaida-Zelle

Zugleich liegen stern.de Hinweise vor, dass vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 Verbindungen zwischen der Hamburger Al-Kaida-Zelle um den Todespiloten Mohammed Atta und der islamistischen Szene im Raum Ulm bestanden haben. Ein Taxifahrer habe berichtet, er habe wenige Wochen vor den Anschlägen in den USA drei elegant gekleidete Araber zu dem ägyptischen Arzt Dr. el-A. gefahren. Auf den später veröffentlichten Fahndungsfotos habe er Mohammed Atta und Said Bahaji als zwei der Taxigäste wieder erkannt. Eine Sprechstundenhilfe des ägyptischen Arztes hatte, wie stern.de berichtet, früher bereits gegenüber Sicherheitsbehörden ausgesagt, Atta habe sich in der Praxis ihres Chefs aufgehalten. (APA)

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