Mit dem Trostpreis in Pension

20. Oktober 2006, 18:32
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So das letzte Ziel von Michael Schumacher, doch selbst der Konstrukteurs-WM-Titel ist schwer zu erreichen

Interlagos/Sao Paulo - Michael Schumacher will zum Abschluss seiner Formel-1-Karriere im Grand Prix von Brasilien die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft für Ferrari holen. "Die Jungs hätten diesen Titel in meinen Augen absolut verdient", erklärte der Rekord-Champion am Montag. Doch auch dieses "Trostpreis" ist für Ferrari aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen.

Vor dem Saisonfinale am Sonntag in Sao Paulo liegt das italienische Traditionsteam allerdings neun Punkte hinter Renault an zweiter Stelle. Damit würde dem französischen Rennstall bereits ein zweiter Platz genügen, um den Konstrukteurs-Titel erfolgreich zu verteidigen. Und selbst bei einem Ferrari-Doppelsieg würden Renault die Plätze drei und fünf zum totalen WM-Triumph reichen. Schmacher weiß also, dass nicht nur ein hartes Stück Arbeit auf ihn und seinen brasilianischen Teamkollegen Felipe Massa beim Saisonfinale wartet, sondern obendrein auch noch Renault patzen muss.

Alonso warnt

Den Fahrer-Titel hat der 37-jährige Deutsche dagegen nach seinem Motorschaden in Japan angesichts von zehn Punkten Rückstand auf Titelverteidiger Fernando Alonso bereits abgeschrieben. Der spanische Renault-Pilot kann zwar im Gegensatz zu Schumacher ohne Siegdruck in den letzten WM-Lauf 2006 gehen, warnte jedoch eindringlich davor, die WM vorzeitig als entschieden anzusehen.

"Ich glaube nicht, dass schon alles gelaufen ist", betonte Alonso im Vorfeld des Brasilien-GP. "Bis nach der letzten Runde, wenn du weißt, dass du Champion bist, kann alles passieren. Wir müssen wie an ein normales Wochenende rangehen und das Maximum aus dem Auto herausholen, ohne ein großes Risiko einzugehen. Wenn wir unsere normale Leistung zeigen und an der Spitze mitkämpfen, dann erreichen wir unsere Ziele."

Alonso reicht ja schon ein Punkt, um erneut in Interlagos zu triumphieren. "Mit Brasilien verbinde ich immer die einzigartigen Erinnerungen, dort 2005 meine erste WM gewonnen zu haben", beschwor der Spanier auch den Moment seines bisher größten Triumphes.

Nur ein Alonso-Nuller kann Schumacher retten

Kein Wort mehr verschwendete Schumacher zu seinen minimalen Möglichkeiten, am Sonntag (Start: 19.00 Uhr/live ORF1, RTL und Premiere) doch noch ein WM-Wunder zu schaffen. Nur im Fall seines insgesamt 92. Grand-Prix-Triumphes und eines gleichzeitigen "Nullers" von Alonso kann er noch zum achten Mal Weltmeister werden. Dann hätten Schumacher und sein Renault-Rivale jeweils 126 Punkte, der Ferrari-Superstar aber dank eines Saisonsieges mehr (8:7) im Titelrennen noch in letzter Sekunde die spektakuläre Wende geschafft.

Die Hoffnung auf so viel Glück und Zufälle hatte der stets realistische Rheinländer schon nach dem Ausfall in Suzuka relativ nüchtern abgehakt. Trotzdem will er in seinem 250. und letzten GP noch einmal alles dafür geben, damit die Scuderia wenigstens noch bei den Teams die Nummer eins wird. "Wer aus einem solchen Tal herauskommt und sich so zurück an die Spitze robbt, wer so viel Engagement und Leidenschaft in seine Arbeit steckt, der verdient größte Hochachtung", lobte Schumacher seine Crew. "Meine Hochachtung haben sie. Sie sind die besten im Feld."

"Voll auf Angriff fahren"

Schumachers Devise lautet deshalb "voll auf Angriff fahren", denn der angepeilte Doppelerfolg "wäre die einzige Chance, die wir noch haben, um diesen Titel noch zu kriegen, das ist das Einzige, was wir machen können. Alles andere liegt dann nicht mehr in unserer Hand."

Zum Abschluss seiner einzigartigen Karriere wünscht sich "Schumi" "ein schönes Rennen" im Autodromo Jose Carlos Pace. "Denn dann könnte ich mit diesem Hochgefühl gehen, das einem ein Sieg gibt", betonte der Rheinländer, der von seiner Gattin Corinna, Vater Rolf und einigen Freunden nach Brasilien begleitet wird.(APA/dpa)

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