Verunreinigte Biohirse: Staatsanwaltschaft ermittelt

23. Oktober 2006, 14:37
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Erste Klagen eingereicht - Tiroler Produzent weist Schuld von sich: "Sache erledigt"

Innsbruck - In Zusammenhang mit der von der Supermarkt-Kette Hofer wegen Verunreinigung mit Stechapfelsamen zurückgerufene "Bio Goldhirse geschält, 1.000 Gramm" der Firma Bioking Perlinger GmbH hat die Innsbrucker Staatsanwaltschaft "von Amts wegen" Ermittlungen eingeleitet. Dies bestätigte am Montag der Leitende Staatsanwaltschaft, Rudolf Koll.

Die Ermittlungen würden "in alle Richtungen" laufen. Man müsse feststellen, ob und wer Schuld an den Verunreinigungen der Lebensmittel habe, sagte Koll.

Beschuldigung eines Lieferanten

Indes geht das Unternehmen "Bioking Perlinger GmbH", deren an die Supermarkt-Kette Hofer gelieferte "Bio Goldhirse" mittlerweile aus den Regalen entfernt wurde, in die Offensive. Firmengründer Engelbert Perlinger beschuldigt nun einen Lieferanten aus Oberösterreich, dieser habe ihm eine bereits ein Jahr alte Ernte verkauft, die nicht von den vereinbarten Biobauern stamme.

"Sache erledigt"

Laut Lebensmittelgesetz ist alles klar: Die "Bioking Perlinger GmbH", die Biohirse in den Verkehr bringt, ist auch für deren Sauberkeit und Sicherheit verantwortlich, so die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Für die Konsumenten seien die derzeit geführten Auseinandersetzungen zwischen Produzenten und Lieferanten "uninteressant", sagte AGES-Sprecher Oskar Wawschinek. "Wir haben eine Risikobewertung vorgenommen und Maßnahmen gesetzt - das Produkt ist vom Markt. Für uns ist die Sache eigentlich erledigt." Für Perlinger scheint es allerdings erst jetzt so richtig loszugehen.

Depot im Burgenland

In einem der APA vorliegenden Schreiben behauptet der Bio-Unternehmer aus Hopfgarten in Tirol jetzt, es sei "mit großer Sicherheit davon auszugehen", dass die verunreinigte Biohirse nicht aus der diesjährigen Ernte der niederösterreichischen Biobauern stamme, sondern aus einem Depot im Burgenland. Dort lagern laut Perlinger "noch hunderte Tonnen stark mit Stechapfelsamen verunreinigte Biohirse. Diese kommen aus der vorjährigen Ernte".

Warum der oberösterreichische Lieferant allerdings Perlinger nicht die ursprünglich vereinbarte - frisch geerntete - Ware zugestellt habe, sondern auf ein Jahr alte Hirse aus dem burgenländischen Lager zurück gegriffen habe, bleibe unklar. "Das wollte man mir nicht erklären. Ich drücke es vornehm aus: Vielleicht hat es eine Verwechslung gegeben. Warum, ist Sache der Polizei", so Perlinger, der auf eine baldige Aufklärung hofft: "Durch die außergewöhnlich strengen Kontrollen der Biokontrollstellen ist sowieso jede Rückverfolgung von der verkauften Ware bis zum Ursprung möglich."

Weitere Vorwürfe

Schwere Vorwürfe erhebt Perlinger auch gegen die Agentur für Biogetreide in Raabs an der Thaya (NÖ). Diese soll von der Verunreinigung der Biohirse gewusst und dennoch 25 Tonnen - die zum Großteil ebenfalls aus dem burgenländischen Lager entnommen wurden - an den Weiterverarbeiter in Oberösterreich verkauft haben. Das Unternehmen aus dem Waldviertel hat prompt reagiert und am Montag Klage wegen übler Nachrede und Kreditschädigung gegen Engelbert Perlinger eingebracht.

In einer der APA übermittelten Entgegnung hieß es seitens der Agentur für Biogetreide: "Wir stehen und standen niemals in einer Geschäftsbeziehung mit Herrn Perlinger. Die Behauptungen Perlingers entbehren jeglicher Grundlage. Vielmehr sind unsere Warenflüsse dokumentiert. Wir verfügen über ein elektronisches Kontrollsystem und sind jederzeit in der Lage, auf Knopfdruck ein Produkt über die Chargennummer vom Regal bis zum Bio-Bauern zurück zu verfolgen."

Keine Angaben

Mit den Erhebungen habe man begonnen, nachdem in den Medien über die Causa berichtet worden war. Dass Engelbert Perlinger bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft gegen einen Lieferanten Anzeige erstattet habe, wisse Koll nur aus den Medien. Gegen wen genau die Anzeige erstattet worden sei, konnte Koll vorerst nicht sagen.

Fall

Anfang Oktober hat der Lebensmitteldiskonter Hofer das Produkt "Bio Goldhirse, 1.000 Gramm" der Firma Bioking Perlinger GmbH zurückgerufen. Auslöser war eine verunreinigte Packung der Biohirse, in der 17 Stechapfelsamen entdeckt worden waren. Schon rund 15 Samen können nach Experten-Aussagen für Erwachsene tödlich sein, für Kleinkinder reiche bereits eine geringere Menge. (APA)

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