Chemische Kriegsführung eines Pilzes in Wien entschlüsselt

30. Oktober 2006, 14:35
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Trichoderma atroviride produziert einen Killertoxinen sehr ähnlichen Stoff

Wien - Die Art und Weise, wie sich ein bestimmter Schimmelpilz gegen seine Verwandten durchsetzt, haben Wissenschafter des Instituts für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Wissenschaften der Technischen Universität (TU) Wien geklärt. "Der Pilz Trichoderma atroviride, der schon jetzt als biologisches Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird, produziert einen Stoff, der so genannten Killertoxinen von Hefepilzen sehr ähnlich ist", erklärte Projektassistentin Verena Seidl gegenüber der APA.

Als Killertoxine verstehen Forscher eigentlich Stoffe, die Hefepilze effektiv als chemische Kampfstoffe gegen andere Pilze einsetzen. So kann etwa eine unscheinbare, vor sich hin gammelnde Frucht Schauplatz einer raffinierten chemischen Schlacht sein. Die Stoffe sind dabei vielfältig, manche lösen die Chitin-Hülle des Gegners auf, andere verhindern etwa seine Fortpflanzung.

Trichoderma

Von Trichoderma wissen Praktiker seit langem, dass er sich vorzüglich als biologisches Pflanzenschutzmittel einsetzen lässt. Für Menschen dürften der Pilz und seine Chemie harmlos sein. Andere Pilze, die für Menschen extrem gefährliche Stoffe produzieren, bekämpft er hingegen erfolgreich. Unter anderem wird Trichoderma gegen Pilze aus der Gruppe der Fusarien eingesetzt. Fusarien können extrem giftige Stoffe, so genannte Mykotoxine, bilden. Auch in Gewächshäusern wird Trichoderma eingesetzt.

Seidl hat nun herausgefunden, dass Trichoderma für seine chemische Kriegsführung unter anderem einen Stoff einsetzt, der den von den Hefepilzen produzierten Killertoxinen sehr ähnlich ist. "Die Trichoderma-Killertoxine scheinen sich an die Zellwand der Schädlingspilze zu binden und diese für toxische Stoffe wie Antibiotika durchlässig zu machen, von denen schon länger bekannt ist, dass sie von Trichoderma produziert werden", erklärte Seidl.

Weitere Forschung

Als nächstes Forschungsvorhaben will die Wissenschaft klären, welche Umweltbedingungen zur Produktion der Trichoderma-Killertoxine führen. Die Produktion der Stoffe ist nämlich nicht immer gleich, durch entsprechende Anpassung der Verhältnisse könnte Trichoderma gleichsam scharf gemacht werden.

Seidl hat ihre Forschungen im Rahmen eines EU-Projekts durchgeführt. Derzeit absolviert die Wissenschafterin einen Forschungsaufenthalt an der Universität Edinburgh (Schottland) im Rahmen eines Stipendiums. (APA)

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