Tauernautobahn mindestens bis Freitag gesperrt

18. Oktober 2006, 19:41
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Experten auf Ursachensuche - Keine Probleme auf Kärntner Umfahrungsrouten - Kaum Schwerverkehr auf B99 und B100

Lieserbrücke - Während Experten auch am Mittwoch fieberhaft nach den Ursachen für die Verformungen an der Altersbergbrücke der Tauernautobahn (A10) in Oberkärnten suchten, gingen vor und nach dem gesperrten Bauwerk die Arbeiten an der Sanierung der A10 planmäßig weiter. Unter dem gesperrten Abschnitt rollte reger Verkehr über die Katschberg-Bundesstraße (B99), zu Problemen kam es aber nicht. Auch auf der B100 durch das Drautal in Richtung Felbertauern waren kaum Lkw unterwegs.

Lokalaugenschein

Ein Lokalaugenschein auf der 31 Jahre alten Brücke ergab, dass die Wellen auf der - im Frühjahr generalsanierten - Fahrspur Richtung Salzburg bei weitem nicht so stark sind wie es auf manchen Fotos scheint. Auch die Abstände zwischen den Erhebungen sind ziemlich groß. Asfinag-Sprecher Harald Dirnbacher betonte zudem gegenüber der APA, dass diese Fahrbahnwellen "überhaupt nichts mit den aktuellen Problemen zu tun haben". Diese seien bereits im späten Frühjahr aufgetreten und würden nach Abschluss der Sanierung von selbst wieder verschwinden.

Auch die Bauexperten der Autobahngesellschaft wollten in diesem Phänomen nichts Ungewöhnliches erkennen. Bei der Sanierung wird das Brückentragwerk übrigens auch verstärkt, um den höheren Verkehrsfrequenzen und den immer schwerer werdenden Fahrzeugen Rechnung zu tragen.

Die Altersbergbrücke ist Sperrgebiet, jedes Betreten ist verboten. Zwischen den beiden Brückenhälften sichern Baugitter den Rand ab, die zweite Spur besteht ja derzeit lediglich aus der nackten Stahlkonstruktion, der gesamte Beton wurde entfernt. Manche Statiker halten es auch für möglich, dass das "Ungleichgewicht" zwischen den beiden Brückenhälften die Spannungen in der Konstruktion und dadurch die Verformungen ausgelöst haben.

Ursache noch unbekannt

Die tatsächliche Ursache für die Verformung mehrerer Stahlstreben war auch am Mittwoch noch unbekannt. Man könne nichts ausschließen, hieß es bei der Asfinag, auch nicht einen Fehler bei der Errichtung der Brücke im Jahr 1975. Im Liesertal, wo sich derzeit die Autos durch die engen Kurven quälen statt auf der Autobahn dahinzurollen, wurden angesichts der Sperre bei den Älteren Erinnerungen wach. Beim Bau der Autobahn hatte es am 16. Mai 1975 ein schweres Unglück gegeben: Eine Brücke war eingestürzt, zehn Menschen fanden dabei den Tod.

Die ständigen Meldungen über die Sperre der Tauernautobahn haben bei den Frächtern offenbar Wirkung gezeigt. Bereits ab Villach war der Lkw-Verkehr auf der A10 deutlich schwächer als sonst üblich. Das gleiche Bild zeigte sich auf der Drautal Bundesstraße, wo so gut wie kein internationaler Transitverkehr zu bemerken war. Die meisten Lkw, die in Richtung Osttirol unterwegs waren, stammten aus Salzburg. In Lendorf nach dem Knoten Spittal/Drau sowie in Lieserhofen war Polizei präsent, ein Beamter war offensichtlich mit dem Zählen der vorbei fahrenden Autos beschäftigt.

Der bekannteste Touristiker der Region Lieser-Maltatal und Gründer der Babyhotels, Siggi Neuschitzer, sieht derzeit überhaupt keinen Anlass zur Sorge. "Wir leben bereits seit einem halben Jahr mit der Baustelle auf der Tauernautobahn und es gibt weder für die Bevölkerung noch für den Tourismus Probleme." Falls aber die Sperre länger als bis zum Freitag anhalten sollte, gäbe dies sicher Anlass zur Sorge, meinte Neuschitzer zur APA. (APA)

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    Die Tauernautobahn A10 ist am Montag in Oberkärnten aus Angst vor einem Brückeneinsturz gesperrt worden. An dem neuen Bauwerk wurden Verformungen an der Stahlträgerkonstruktion entdeckt. Die A10 wurde daraufhin zwischen dem Knoten Spittal und Gmünd in beiden Richtungen gesperrt. Statiker wurden zur Brücke geschickt, um die Konstruktion zu überprüfen.

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