Schriftsteller in Schusslinie der Mafia

20. Oktober 2006, 19:38
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Roberto Saviano wurde nach Erfolg von "Gomorra" unter Polizeischutz gestellt - Umberto Eco: "Wir dürfen Saviano nicht allein lassen wie Falcone und Borsellino"

Rom - Ein junger italienischer Schriftsteller ist mit einem heiklen Buch über die Herrschaft der Camorra in Neapel in die Schusslinie der Mafia-Clans geraten. Morddrohungen und anonyme Anrufe belasten täglich den 28-jährigen Schriftsteller Roberto Saviano, seitdem er mit seinem Essay "Gomorra" die Namen mehrerer bekannter Camorra-Clans bekannt gegeben hat und im Detail über ihre Machenschaften zur Kontrolle des Rauschgift- und Waffenhandels in der Vesuvstadt berichtet hat.

Das von der Verlagsgruppe Mondadori veröffentlichte Buch dominiert seit fünf Monaten die Bestseller-Liste. Mehrere Preise hat der Schriftsteller für das Buch erhalten. "Prominente Camorra-Bosse beobachten mit Unmut den Erfolg des Buches, das die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihre Machenschaften gerichtet hat", berichtete das Wochenmagazin "L´Espresso".

Wegen der Morddrohungen, die wiederholt gegen Saviano gerichtet wurden, musste die Polizei den Schriftsteller unter polizeilichem Schutz stellen. "Dieses Buch hat mein Leben ruiniert", erzählte Saviano. Die Inhaber einiger Shops, in denen der Autor täglich einkauft, baten ihn, sich nicht mehr sehen zu lassen. "Man will mich isolieren", klagte Saviarno.

Mehrere Schriftsteller und Leser unterzeichneten einen Appell an die Regierung Prodi, um Saviano nicht allein zu lassen. Sie planen in den nächsten Tagen eine große Solidaritätsinitiative mit dem Autor.

Eco: "Wir dürfen Saviano nicht allein lassen wie Falcone und Borsellino"

Nach Morddrohungen gegen den Autor eines Enthüllungsbuches über die Mafia ist der italienische Bestsellerautor Umberto Eco für seinen Berufskollegen in die Bresche gesprungen. "Wir dürfen Saviano nicht allein lassen wie (die von der Mafia ermordeten Anti-Mafia-Richter) Falcone und Borsellino", sagte Eco am Sonntagabend im italienischen Fernsehen.

Der Autor Roberto Saviano hatte nach Erscheinen seines Buches "Gomorra" über die napoletanische Camorra Drohbriefe und anonyme nächtliche Anrufe bekommen. Eco forderte ein Eingreifen des Staates: "In diesem Fall kennen wir sogar die Namen und Vornamen derjenigen, von denen diese Drohungen stammen", sagte er. Der Staat müsse offensiv gegen die Mafia vorgehen. (APA)

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    buchcover: mondadori
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