Vida-Mitglieder wollen Präsidentendirektwahl

27. Oktober 2006, 11:19
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Gewerkschafter sollen im Parlament vertreten sein - Vorsitz noch immer nicht geklärt

Wien - Die Gewerkschafter wollen bei der Wahl ihrer Vorsitzenden aktiv mitmachen und sie möchten ihre Vertreter im Nationalrat sehen. Das sind zwei der Kernbotschaften einer Befragung unter 1.300 Mitgliedern des Fusionsprojekts Vida, bei dem die Eisenbahner federführend sind. Als größtes Übel betrachtet werden von den Funktionären die Machtkämpfe zwischen den Gewerkschaften. Die Chefs der Vida-Gewerkschaften, Wilhelm Haberzettl (Bahn), Rudolf Kaske (Tourismus) und Willibald Steinkellner (Handel-Transport-Verkehr), versprachen bei einer Pressekonferenz Montag Vormittag, die Vorstellungen der Mitglieder in den ÖGB-Reformprozess einzubringen.

Die Ergebnisse im Detail: 61,5 Prozent der Befragten wollen bei der Wahl des ÖGB-Präsidenten mitwirken, sogar 77,9 Prozent bekunden dieses Interesse bei der Kür der Vorsitzenden der jeweiligen Teilgewerkschaft. Beeindruckende 89,7 Prozent empfinden es als "sehr wichtig", dass Gewerkschaftsfunktionäre im Nationalrat vertreten sind, was von Kaske trotzdem nicht als Kritik an SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer gewertet wird, der ja die Vorsitzenden der Teilgewerkschaften aus dem Parlamentsklub verbannen will. Auch kampfeslustig sind die Vida-Funktionäre: Gleich 99 Prozent wären bereit, an gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen teilzunehmen.

Direktwahl

Wiewohl die Umfrage nahe legt, dass sich die Vida nun auf eine Direktwahl von ÖGB-Präsident und Gewerkschaftsvorsitzenden verständigt, ist dem nicht so: "Man kann Demokratie nicht mit der Pumpgun herbeiführen", meinte Haberzettl und verwies darauf, dass man auch auf die Minderheitenfraktionen Rücksicht nehmen müsse. Daher werde nun einmal ein Gesprächsprozess in Gang gesetzt, in dessen vierjährigem Rahmen "basisdemokratische Wahl-Modelle" erstellt würden.

Dass der noch für heuer geplante Zusammenschluss von Eisenbahnern, Tourismus (HGPD) und HTV einen weiteren Block neben der neuen Gruppe um die Metaller, der GPA und den Beamten schaffen würde und somit der Wunsch der Mitglieder nach weniger Grabenkämpfen wieder nicht erfüllt würde, sieht man bei der Vida nicht so. Man müsse eine Reform in mehreren Schritten denken, meinte Haberzettl. Und auch in der Gewerkschaft sei es "so ähnlich wie in der Politik", die Frage sei, was machbar ist.

Grundsätzlich ablehnend äußerte sich der Eisenbahner-Chef aber nicht zur Vorstellung des GPA-Vorsitzenden Wolfgang Katzian, die Einzelgewerkschaften durch einen starken ÖGB zu ersetzen: "Der Kollege Katzian hat seine Gedanken schon sehr weit in der Zukunft." Jedoch sei auch er dafür, rasch eine kleine effiziente Arbeitsgruppe einzusetzen, wie der Gewerkschaftsbund in zehn, zwölf Jahren aussehen solle.

Zusammenschluss

Die Vida will sich jedenfalls noch heuer im Dezember bei einem gemeinsamen Gewerkschaftstag zusammenschließen. Wer Vorsitzender der rund 170.000 Mitglieder wird, ließen die Spitzen der drei betroffenen Einzelgewerkschaften noch offen. Haberzettl, der es wohl geworden wäre, hätte er das gewollt, hat schon vor einigen Wochen abgesagt. Die beiden verbliebenen Kandidaten hielten sich bedeckt. Kaske, der aller Voraussicht nach erster Vida-Chef wird, meinte bloß, die Mitglieder würde anderes mehr interessieren. Steinkellner sagte, zuerst brauche es ein Team, dann bestimme man den Kapitän.

Klar ist bereits, wie die Struktur der Vida aussieht. Es wird drei Sektionen geben: soziale Dienste, persönliche Dienste und Verkehr, letzterer wird Haberzettl vorstehen. (APA)

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