Skoceks Zeitlupe: Umverteilung

15. Oktober 2006, 19:20
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Vom Wesen der Energie und ihrer Anwendung in der Fußballwelt

Energie geht nicht verloren, sie nimmt nur andere Gestalten an. Wenn die Firma Magna von der steirischen Stromhütte zum Verbund geht (80 Millionen Euro), kriegt wenig später die schwächelnde Auszehrung Austria den Verbund als Zulieferer (7,5 Millionen Euro). Die Austria glüht glücklich, weil Frank Stronach bleibt, und der leuchtet fröhlich, weil ihm wer Energie zuschießt. Die Steiermark ist halt weg von der Steckdose, seit Mama Klasnic die Turbinen nicht mehr mit Steuergeld heizt. Stronachs Trafos hingegen arbeiten eins a. Vielleicht hat der Wechsel zum Verbund mit dem neuen Sponsorvertrag der Austria gar nichts zu tun, vielleicht aber hat Stronach, statt den Preis maximal zu drücken, sanft auf die Austria hingewiesen. Vielleicht musste er das nicht einmal tun.

Die Austria hat eben ein Spiel geprobt, das internationale Fußballklubs längst perfektionieren: Energietransformatoren der Weltpolitik und Großkonzerne. Der Sponsordeal von Schalke (90-120 Mio. Euro) mit einer Tochter der russischen Gasprom: Gasprom-Konsulent Gerhard Schröder ist nicht mehr gierig, sondern ein sozial denkender Macher. (Wann haben die mit dem Kabellegen begonnen? So ein Geschäft macht auch Schröder nicht in wenigen Monaten.)

Im Ruhrpott, der unter Arbeitslosigkeit und Schalkes Schulden (21 Millionen Euro Zinsen pro Jahr) gärt, ist Sause. Ex-Oligarch Putin ist Deutschlands Freund. Vorbei die Angst vor der Abhängigkeit vom russischen Gas: Die Deutschen verteilen jetzt den Kraftstoff. Das treibt den Gas- und den Strompreis zwar in die Höhe, aber wie wollen wir jemals Chelsea, Bayern oder Salzburg das Licht abdrehen, wenn wir mit Jammern Energie verschwenden? (Johann Skocek DER STANDARD Printausgabe 16. 10.2006)

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