Trotz Kooperation: Iran verurteilt Kim

23. Oktober 2006, 19:12
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Militärs arbeiten seit 20 Jahren zusammen

Das Interesse im Iran hielt sich in Grenzen. Der nordkoreanische Atomtest war der konservativen iranischen Presse keinen Aufmacher wert. Ein Bankenskandal war wichtiger als die erste Atombombe Pjöngjangs. Nur die wenigen liberalen Zeitungen, die noch im Iran erscheinen, richteten ihre Aufmerksamkeit auf den Atomversuch. Die Zeitung Hamshahri sprach sogar von einem Damoklesschwert über Nordkorea.

Der religiöse Führer in Teheran, Ayatollah Khamenei, erwähnte im Freitagsgebet in Teheran die neu entstandene Situation in Nordkorea mit keiner Silbe. Die Sanktionsdrohungen gegen den Iran zeigten hier offenbar Wirkung, obwohl Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad in einer Rede erklärte, dass der Tag, an dem die westliche Welt den Iran boykottiert, als nationaler Feiertag im Iran gefeiert werden solle. Khamenei sagte aber gleichzeitig, wer den Iran beschuldige, seine Atomforschungen für militärische Zwecke zu nutzen, tue das nur in der Absicht, Teheran am Fortschritt zu hindern.

"Offiziell lehnt der Iran jeden Atomversuch ab und erklärt, dass er nie die Absicht hatte, seine friedliche Atomforschung für militärische Zwecke zu nutzen. Und das, obwohl die militärische Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Nordkorea seit 20 Jahren besteht und Nordkorea als das einzige Land in dem acht Jahre andauernden Krieg zwischen Iran und Irak aufseiten Teherans stand, will man im Iran nicht den Eindruck erwecken, auch im atomaren Bereich mit Nordkorea zusammenzuarbeiten", sagte dagegen ein Miglied der oppositionellen liberalen Mosharekat-Partei zum Standard.

Nach Meinung der liberalen Blätter scheint der nordkoreanische Atomtest den Iran noch mehr in den Mittelpunkt des internationalen Interesses zu rücken. Die iranische Ablehnung des Atomversuchs solle aber gleichzeitig auch eine Warnung an diejenigen im eigenen Land sein, die nicht an die Folgen eines Wirtschaftsboykotts denken, hieß es in einem Leserbrief in der liberalen Zeitung Aftab.

Kritik an Ahmadi-Nejad

Eine neue Welle der Preissteigerungen stellt unterdessen die Regierung Ahmadi-Nejad vor ernsthafte Probleme und wird sogar von konservativen Abgeordneten im iranischen Parlament, die bisher Ahmadi-Nejad uneingeschränkt unterstützten, kritisiert. Die liberalen iranischen Zeitungen werfen der Regierung vor, ihr Augenmerk immer mehr auf atomare Diskussionen zu richten, ohne ein Wirtschaftsprogramm vorzuweisen. "Die vorhandenen Geldreserven als Beruhigungspille für die marode iranische Wirtschaft auszugeben ist keine Strategie", schreibt die Zeitung Kargosaran in einem Kommentar. (Amir Loghmany aus Teheran/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2006)

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