"Möchte Stück von Wien kaufen"

17. November 2006, 15:23
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Das italienische Mode­unternehmen Mariella Burani Fashion Group hat im STANDARD-Gespräch nach der Übernahme von Don Gil noch einiges vor in Österreich

STANDARD: Herr Burani, Sie haben als eine der wenigen italienischen Modeunternehmen die Modekrise der vergangenen Jahre ohne Schaden überlebt und sind auch weiter gewachsen. Was ist der Grund für diesen Erfolg?

Giovanni Burani: Wir haben als erstes italienisches Modeunternehmen das Konzept des "leistbaren Luxus" eingeführt. Dieses Segment, in dem wir gut platziert sind, bietet auch in nächster Zeit jede Menge Entwicklungsmöglichkeiten. Luxuswaren sollen in Zukunft mehr Leuten zugänglich gemacht werden. Auch haben wir rechtzeitig auf den richtigen Märkten investiert und diversifiziert. Allein unsere Tochterfirma, der Schuhhersteller Baldinini, hat in Russland 30 Geschäfte. Nur mehr 55 Prozent des Umsatzes entfallen auf Bekleidung, der Rest auf den stark expandierenden Accessoires-Bereich.

STANDARD: Soll der Stellenwert der Bekleidung weiter abnehmen?

Burani: Es gibt auch bei Bekleidung noch Wachstumschancen. Etwa bei Größen über 44, wo wir unseren Marktanteil noch ausbauen können.

STANDARD: Sie haben vor zwei Jahren in Österreich die ehemalige Palmers-Tochter Don Gil übernommen. Wollen Sie hier noch weiter wachsen?

Burani: Wenn sich Gelegenheiten bieten, bin ich jederzeit für eine Expansion in Österreich bereit. Das Geschäft läuft sehr gut, am liebsten würde ich gleich ein Stück von Wien kaufen. Wir wachsen derzeit mit den 35 Don-Gil-Geschäften um sechs bis sieben Prozent pro Jahr. Österreich ist ein äußerst aufnahmefähiger und von der Vertriebsstruktur uns ähnlicher Markt.

STANDARD: Sie haben vor, neue Kaffeebars, die Coffee-Choco-Bars, weltweit zu eröffnen. Ihre Tochterfirma Bioera hat bereits entsprechende, auf Naturgetränke basierende Coffee-Choco-Bars in Rimini eröffnet. Könnten Sie sich vorstellen, dass bei Don Gil auch Malzkaffee und Kakao angeboten wird?

Burani: Das ist in Zukunft nicht auszuschließen. Es gibt Synergien. Ich glaube, dass Naturgetränke wie etwa der Malzkaffee "Cafe Orzo", aber auch Kakao ein hohes Wachstumspotenzial haben. Der qualitative Nahrungsmittel- und Getränkemarkt sollte wie ein Luxusmarkt bearbeitet werden.

STANDARD: Sie haben sich als eine der wenigen italienischen Modeunternehmen in Österreich und Deutschland engagiert und den US-Markt vernachlässigt.

Burani: Wir ziehen Märkte vor, wo es weniger Wettbewerb gibt. In den USA denken die Geschäftsleute doppelt so schnell wie wir. Da kann man sich leicht die Finger verbrennen. Ich ziehe Europa vor, wo vor allem in den osteuropäischen Ländern noch ein großes Wachstumspotenzial herrscht. Wir investieren auch im Nahen Osten und in Asien.

STANDARD: Wollen Sie in nächster Zukunft weiter diversifizieren?

Burani: Wir sind für alles offen. Vor wenigen Wochen haben wir den Schmuckwarenbetrieb Facco Corporation aus Vicenza übernommen. Unsere Multimarkengeschäfte wie Don Gil werden künftig auch Schmuckwaren anbieten. Mit dem Zubehörbereich, Mode- Schmuckwaren und Naturprodukten im Nahrungsmittelsektor avancieren wir zum Lifestyle-Konzern. Wir wollen hohe und höchste Qualität auf industrieller Basis erzeugen und vertreiben. Auch können wir weitere Lizenzen erwerben. Unter anderem erzeugen wir bereits für Miss Sixty, Missoni und Vivienne Westwood.

STANDARD: Die italienischen Textil- und Schuhunternehmer drängen auf die Einführung der Ursprungsbezeichnung, auf die obligatorische Etikettierung des "Made in Italy". Unterstützen Sie das?

Burani: Zumindest sollte eine Etikettierung über "designed" oder "styled in Italy" erfolgen. Ich bin der Ansicht, dass in Zukunft immer mehr italienische Modeunternehmen ihre Produktion auslagern werden. Mariella Burani Fashion Group erzeugt noch rund 70 Prozent der Kollektion in Italien. Aber auch in anderen europäischen Ländern, etwa in der Slowakei und in Ungarn, herrscht ein großes Fertigungs-Know-how im Bekleidungssektor, insbesondere bei Mänteln und Jacken. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2006)

  • Ist mit dem Verkauf in Österreich sehr zufrieden und denkt an weitere Expansion: Don Gil-Boss Giovanni Burani.
Zur Person
Giovanni Burani (43), Sohn des Firmengründers Mariella Burani Fashion Group, ist als Geschäftsführer auch für die strategische Entwicklung des Konzerns verantwortlich.
    foto: standard

    Ist mit dem Verkauf in Österreich sehr zufrieden und denkt an weitere Expansion: Don Gil-Boss Giovanni Burani.

    Zur Person

    Giovanni Burani (43), Sohn des Firmengründers Mariella Burani Fashion Group, ist als Geschäftsführer auch für die strategische Entwicklung des Konzerns verantwortlich.

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