Glasfaser: Telekommunikations- Branche vor Umbruch

22. Oktober 2006, 17:07
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Deutschland: Jeder zehnte Breitband-Haushalt bis 2010 umgerüstet

Bis 2010 wird jeder zehnte Breitband-Haushalt in Deutschland über Glasfaser ans Internet angeschlossen sein. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Der zunehmende Ersatz von Kupferleitungen durch Glasfaser-Technologie werde vor allem die Telekommunikations-Branche gehörig durcheinanderwirbeln prophezeit ISI-Projektleiter Bernd Beckert: "Die scharfen Grenzen zwischen etablierten Branchen und Technologien werden aufgeweicht und zu neuen Kooperationen zwischen Telekommunikations- und Medienunternehmen, Fernsehnetzbetreibern und Anbietern von Internetdiensten führen."

Beweise

Als ersten Beweis für diesen Umbruch wertet das Fraunhofer Institut die eine Mio. Kunden, die der Deutschen Telekom im letzten Jahr im Festnetz abhanden gekommen sind. "Immer mehr Kunden nutzen das Internet nicht nur zum Surfen, sondern auch zum Telefonieren und in Zukunft auch zum Fernsehen. Dieser Trend zur 'Internetisierung' der Telekommunikation wird sich noch beschleunigen", zeigt sich Beckert überzeugt. Fraunhofer geht davon aus, dass sich die Umrüstung in Ballungsräumen mittlerweile auch für kleinere Netzbetreiber lohne, da die Kosten für die Technik deutlich gefallen seien. Durch den parallel stattfindenden Anstieg von internetfähigen TV-Kabelanschlüssen werde der Marktanteil von DSL von heute 98 auf 75 Prozent im Jahr 2010 schrumpfen, so die Studie.

"Glasfaser ist die Zukunft"

"Dass Glasfaser die Zukunft der Telekommunikationsbranche ist, steht mit Sicherheit fest", meint Karim Taga, Geschäftsführer von Arthur D. Little Österreich. "Die Frage ist also nicht, ob Glasfaser sinnvoll ist oder nicht, sondern bis wohin", präzisiert Taga. Bestehende Infrastrukturen würden bereits jetzt verstärkt auf den Einsatz von Glasfaser-Technologie bauen. Was die Umrüstung der letzten Meile (FTTH - Fibre to the Home) betrifft, zweifelt Taga derzeit aber noch an der Rentabilität und Sinnhaftigkeit.

Mit Umsicht

"Durch die Weiterentwicklung bestehender DSL- und Kabeltechnologien sind diese ebenso gut in der Lage, das gesamte derzeit mögliche Servicespektrum abzudecken", so Taga weiter. Neben den Netzerrichtungskosten müsse zudem berücksichtigt werden, dass allein die Endgeräte für Kunden im Vergleich zu DSL-Lösungen enorm teuer seien. Wo noch keine Infrastruktur vorhanden sei, würden Investitionen Sinn machen. Eine durchaus interessante Alternative sei in dieser Hinsicht auch das Errichten von Open-Access-Netzwerken, so Taga. (pte)

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