Droh-Drohnen gegen Rowdys

24. Oktober 2006, 12:59
39 Postings

Liverpool: Unbemannte Aufklärungsflieger sollen die Zukunft der Polizeiarbeit sein - Auch in Österreich wurde bereits getestet

Liverpool/Wien - Auf dem Boden, auf dem Rücken von Pferden, aus der Luft: Eine neu gegründete Polizeieinheit in Liverpool soll "soziale Problemzonen" befrieden. In ihrem Repertoire sind auch Aufklärungsdrohnen, die über besonders kritischen Punkten schweben und Bilder liefern sollen.

137 Beamte aus Polizei und Feuerwehr hat die neue Einheit, ihr Budget ist für österreichische Polizeiverhältnisse kaum vorstellbar: Umgerechnet knapp 1,5 Millionen Euro stehen jährlich zur Verfügung. Aus Sicht der Staatsmacht auf keinen Fall zu wenig, gelten Teile der englischen Stadt am Mersey doch als No-Go-Area, wie der Sunday Telegraph berichtet. "Anti-Social Behaviour" - antisoziales Verhalten - nennen die Briten das Vorgehen der meist jungen Rowdys, die ihre Nachbarschaft terrorisieren. Eine 60-jährige Frau, die gegen Kleinkriminelle ausgesagt hatte, musste Anfang Oktober aus ihrem Haus flüchten, nachdem sie von tobenden Jugendlichen belagert worden ist.

Mit massiver Polizeipräsenz hofft man das Problem nun in den Griff zu bekommen. Berittene Polizei wird ebenso patrouillieren wie bis zu 50 Beamte gleichzeitig in einem einzigen Park. Besonders vom Einsatz der ferngesteuerten Fluggeräte erhofft man sich viel, wie Chris Case von der Feuerwehr betont. "Wenn über ihnen eine Aufklärungsdrohne schwebt, werden sich die Betroffenen denken 'Die Polizei meint es wirklich ernst'", ist er überzeugt. "Es ist ein vollständiger Krieg gegen das Verbrechen. Der erste Punkt ist, das Gebiet zu erobern und zu halten. Man muss das schlechte Verhalten unterbrechen und eine Zeit der Normalität starten", ist auch Bernard Hogan-Howe, der Polizeichef von Liverpool und Umgebung sicher.

Für seinen Kollegen John Myles, dem Kopf der Sondereinheit, ist der Einsatz moderner Technik auch eine Kostenfrage. "Es ist ein billiger Weg der Luftaufklärung, eine Drohne einzusetzen. Es ist deutlich billiger als einen Hubschrauber zu benutzen", betont er.

Eine Erkenntnis, die auch Österreichs Innenministerium schon hatte. Fast zwei Wochen lang erprobte man im September an einem Grenzabschnitt zur Slowakei eine unbemannte Drohne mit Infrarotkamera im Einsatz gegen den illegalen Grenzübertritt - und war sehr zufrieden damit.

Zur Überwachung eigener Bürger werden die Fluggeräte hier zu Lande aber noch nicht verwendet. Anders in den USA, wo die rund 23.720 Euro teuren Aufklärer heuer schon zur Überwachung eines Biker-Treffens im Bundesstaat Maryland aus gut 70 Meter Höhe eingesetzt worden sind. Auch in Frankreich hat man just am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, einen Versuchsflug über dem Unruhe-Département Seine-Saint-Denis unternommen. Der Test mit dem von der Luftwaffe geliehenen Gerät verlief allerdings nicht sehr erfolgreich, gestand die Polizei ein.

Wie erfolgreich die Aktion in Liverpool sein wird, scheint ebenfalls fraglich. "Es ist reine Zeitverschwendung. Jeder hier in der Gegend liebt es, von der Polizei gejagt zu werden. Die einzige Chance, das zu stoppen, ist, die ganze Zeit einen Beamten auf der Straße zu haben", wie ein grinsender 17-Jähriger dem Sunday Telegraph prophezeite. (Michael Möseneder /DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Drohne der deutschen Bundeswehr

Share if you care.