Neue Indizien gegen Jan Ullrich

19. Oktober 2006, 15:42
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Laut "Süddeutsche Zeitung" können Aufenthalte in Madrid dokumentiert werden - Verbindung zu Dopingarzt zu Fuentes schon seit 2003

Wien - Gegen den unter Dopingverdacht stehenden deutschen Radprofi Jan Ullrich sind laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag-Ausgabe) neue Indizien aufgetaucht. Das Blatt bezieht sich auf ein der deutschen Justiz vorliegendes Protokoll eines Expertentreffens im September in der Madrider Direktion der Guardia Civil.

Aufenthalte in Madrid

Laut Protokoll seien die Spanier "offenbar in der Lage, Ullrichs Aufenthalte in Madrid zu dokumentieren", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Ullrich soll in Madrid mehrmals in Hotels logiert haben. Bevorzugtes Domizil solle das "Pio XII" gewesen sein. Ullrich beteuert bisher seine Unschuld. Laut den Ermittlern bestehe die Verbindung zu Fuentes schon seit 2003. Damals war Ullrich von seiner halbjährigen Dopingsperre in den Radsport zurückgekehrt.

Während der Madrider Razzia vor der diesjährigen Tour de France soll bei Fuentes sogar ein Foto von Ullrich mit persönlicher Widmung gefunden worden sein. Weiters sollen Fuentes-Helfer von der Polizei dabei beobachtet worden sein, wie sie in dem Madrider Hotel zwei Blutbeutel mit der Aufschrift "Jan" in einen Mülleimer warfen. Diese in eine Plastiktüte gewickelten Konserven seien sichergestellt worden.

Persönlich überbrachtes Geld

Auch die bereits veröffentlichten Finanzdaten hätten die Ermittler in ihrem Verdacht bestätigt: Ullrich soll in den vergangenen Jahren außer einer Basiszahlung von 60.000 Euro pro Jahr in der Regel noch zweimal je 30.000 Euro gezahlt haben, womit ein Jahresbetrag von 120.000 Euro zusammenkäme. Das Geld sei nicht überwiesen, sondern über Mittelsmänner persönlich übergeben worden.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" liegt den Schweizer Behörden inzwischen auch eine DNA-Probe von Ullrich vor. Ihre Existenz war zwischenzeitlich bestritten worden, da Ullrich bei der Polizeirazzia Mitte September in seinem Schweizer Haus nicht anwesend war. Der 32-Jährige habe jedoch nach seiner vorzeitigen Rückkehr aus den Flitterwochen bei der Schweizer Polizei eine richterlich angeordnete Speichelprobe abgeben müssen, so die "Süddeutsche".

Ullrich hatte einen DNA-Test bisher abgelehnt und dafür sogar seine Suspendierung von der Tour de France in Kauf genommen. Mit dem genetischen Fingerabdruck ließe sich ein Abgleich mit den in der Praxis von Fuentes sichergestellten Blutkonserven herstellen, die laut Guardia Civil Ullrich zuzuordnen sind. (APA/dpa)

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