Neuer UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigt Führungsstärke an

17. Oktober 2006, 18:49
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"Bescheidenheit und Demut dürfen nicht missverstanden werden" - "Administrative Last für den Generalsekretär ist zu groß"

New York - Der kommende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat trotz seines eher unauffälligen Auftretens eine durchsetzungsstarke Amtsführung angekündigt. "Ich mag zurückhaltend oder auch leise wirken, aber das bedeutet nicht, dass es mir an Führungskraft oder Bestimmtheit fehlt", sagte Ban der Nachrichtenagentur Reuters in seinem ersten formellen Interview nach seiner Wahl durch die UN-Vollversammlung am Freitag.

Bescheidenheit und Demut würden als asiatische Tugenden betrachtet, sollten aber nicht missverstanden werden, erklärte der Südkoreaner. "Ich treffe mit Bestimmtheit Entscheidungen, wann immer es notwendig ist."

Ban wird wohl auch nicht dem Wunsch der USA folgen, sich mehr auf die Leitung der UN als auf Diplomatie zu konzentrieren, was der US-Botschafter bei den UN dem Nachfolger Kofi Annans nahe gelegt hat. "Die administrative Last auf den Schultern des des Generalsekretärs ist zu groß", sagte Ban.

Er wolle viel Reisen und den täglichen Betrieb der 9000 Personen starken UN einem Stellvertreter übertragen. "Ich will eine Balance versuchen zwischen meiner Arbeit als politischer Führer und Leiter der Verwaltung", erklärte er in dem Interview, das in Südkoreas UN-Mission gegenüber dem UN-Sitz in New York geführt wurde.

Ban wich in dem Interview der Frage nach einer Antwort auf den nordkoreanischen Atomtest ebenso aus wie einer Festlegung, ob er Anfang kommenden Jahres zu einem Besuch Nordkoreas bereit wäre, um Spannungen abzubauen. Auch wollte er sich nicht zu möglichen Personal-Änderungen an zentralen UN-Stellen äußern.

Ressourcen effizient nutzen

Mit Blick auf eine Reform der UN sagte Ban, notwendig sei eine Stärkung eines jeden UN-Zweiges und die Minimierung von Überlappungen. "Wir müssen bereits eingeschränkte Ressourcen auf eine effizientere Art nutzen."

Der 62-jährige Ban - derzeit noch Außenminister Südkoreas - war am Freitag zum Nachfolger von Kofi Annan gewählt worden, der den Posten seit zehn Jahren innehat. Ban soll sein Amt am 1. Jännerr 2007 antreten. Er ist der achte Generalsekretär der UN seit 1946 und der erste Asiate auf dem Posten seit 35 Jahren.

Die asiatischen Staaten hatten darauf gepocht, dass nach dem Afrikaner Annan der neue Generalsekretär aus ihren Reihen kommt. Der Karrierediplomat Ban, der unter anderem in Harvard studierte, spricht neben Englisch auch Deutsch, Französisch und Japanisch. Zu den Stationen seiner Laufbahn gehörten Posten in Neu-Delhi, Washington, am UN-Sitz in New York und in Wien. (APA/Reuters)

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    Der zukünftige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: "Ich mag zurückhaltend oder auch leise wirken, aber das bedeutet nicht, dass es mir an Führungskraft oder Bestimmtheit fehlt".

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