Mit klassischer Musik zu Klasse-Leistungen

3. Jänner 2008, 13:27
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Der gezielte Einsatz von Musik - Zum Abbau von Stress, zur Strukturierung des Arbeitstags und zur Unterstützung von Lernphasen

Von "kleinsten Millisekunden-Rhythmen" bis hin zum "Lebensrhythmus" spannt sich das Forschungsgebiet von Gerhard Tucek. Als Leiter des Instituts für Ethno-Musik-Therapie weiß er, nach welcher Pfeife der menschliche Organismus tanzt. "Die Frage ist: Welche Rhythmen gibt es im Menschen, und wie sind diese beeinflussbar", holt Tucek aus. "Dabei wird die Musik jenseits der psychotherapeutischen Sicht interessant."

Anklang finden seine Überlegungen unter anderem bei stressgeplagten Führungskräften. "Ich hatte ein Gespräch mit einem Manager, der meinte, wenn er nicht sechzehn Stunden am Stück arbeite, gelte er als fauler Hund" - in diesem Sinn habe Tucek immer wieder mit leitenden Persönlichkeiten zu tun, "die durch Stress schwer krank wurden". Um das durch die enorme Arbeitsbelastung aus dem Gleichgewicht gebrachte Wohlbefinden wieder herzustellen, ginge es jedoch nicht etwa darum, "die Belastung zu reduzieren". Vielmehr sieht Tucek seine Aufgabe bei dem Problem, "wie mit dieser Belastung umzugehen ist, und wie man mit den eigenen Rhythmen zurechtkommt".

"Drübertauchen"

Einerseits spielt dabei die Einteilung des Arbeitstages eine Rolle: "Wenn Sie zum Beispiel einen Morgenmenschen bis spätabends arbeiten lassen, dann werden Sie ihn irrsinnig quälen." Zudem ist der typische Tagesablauf entsprechend den persönlichen Bedürfnissen zu strukturieren. "Wenn man etwa merkt, dass man müde wird, dann kann man entweder mit einem Kaffee und Zigaretten drübertauchen - oder man macht eine Pause und lässt sich zehn Minuten mit Musik berieseln." Bereits nach dieser kurzen Zeit sei man "dermaßen Energie geladen, dass die Müdigkeit wie weggeblasen ist". Grund sei die "vertiefte Atmung: Man hat sich gesammelt und ist kurz abgegangen in den Parasympathikus - die Entspannungsphase. Da wird das System runtergefahren und steht nach einem Neustart wieder voll zur Verfügung".

Natürlich stellt sich die Frage, welche Musik diesem Prinzip entgegenkomme. Disco-Beats sind eher nicht geeignet, weil diese entgegen der natürlichen Herzfrequenz "völlig auf Gleichklang" programmiert sind. "Die ganz kleinen Unterschiede bei den Herzschlägen sind ein Zeichen für Gesundheit. Wenn ich da völlig gleiche Rhythmen reinbringe, dann schade ich dem Herzen eher - da steht der Tod vor der Tür." Vorsicht sei auch bei zu harter Musik angebracht. In diesem Zusammenhang erinnert Tucek an Berichte aus dem Irakkrieg, wonach Soldaten im Gefecht mit aggressivem Rock auf Aggressivität getrimmt worden seien.

Bleibt am Ende ein Lob der Klassik: "Mit Mozart kann man sicher nichts falsch machen", meint Tucek nicht nur hinsichtlich des laufenden Jubiläumsjahrs. Für die persönliche Entspannung schwört er jedoch auf Vivaldis "Vier Jahreszeiten". (mad, Der Standard, Printausgabe 14./15.10.2006)

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