Preise für homosexuelle Forschung

23. Oktober 2006, 15:17
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Gay Marketing soll zu mehr Toleranz und einem "alltäglicherem Anblick" verhelfen

Wien - Hat man sich als Homosexueller einmal geoutet, steht man in der Öffentlichkeit vor neuen Hürden. Die politischen Debatten über die Homo-Ehe sind nur ein Beispiel dafür, dass Homosexualität noch immer nicht alltäglich ist und die Menschen in der Berufswelt und auch privat vor Problemen stehen.

Nicht nur, um auf diesen Zustand aufmerksam zu machen, sondern um auch mit Argumenten für Verbesserungen "kämpfen" zu können, wurde von Agpro (Austrian Gay Professionals), der Vereinigung schwuler und bisexueller Unternehmer, Führungskräfte und Freiberufler, am Donnerstagabend der dritte Förderpreis für Projekte und Forschung zur Homosexualität vergeben. Die ausgewählten Arbeiten, auf die das Preisgeld von 2500 Euro aufgeteilt wurde, widmen sich den Bereichen Wirtschaft, Recht und Gesellschaft. Der Hauptpreis ging an Alexander Fleischmann und Thomas Köllen, die im vergangenen Studienjahr eine Lehrveranstaltung an der Wirtschaftuniversität Wien (Abteilung für Gender and Diversity in Organisations) hielten. Das Thema der Vorlesung war der Umgang mit Homosexualität am Arbeitsplatz und die damit verbundenen Managementprobleme. Eine Enttabuisierung sei erforderlich, sagen die Vortragenden. Mitunter war Gay Marketing Thema des Wahlfachs, in das sich "Interessierte und Betroffene" einschrieben. Gay Marketing hat insofern hohe Relevanz, als Schwule als kaufkräftige Zielgruppe von Wirtschaft und Werbung viel zu sehr vernachlässigt werden. Dabei könne man genau durch das Zeigen Homosexueller in Werbung den "alltäglicheren Anblick" vermitteln, der "zu mehr Toleranz" führe, sagt Christoph Urtz von Agpro.

Mit dem Bild beschäftigten sich auch die Anerkennungspreisträgerinnen. Barbara Eder widmete ihre Diplomarbeit der "fotografischen Konstruktion homosexueller Identitäten" am Beispiel der amerikanischen Fotografin Nan Goldin. Verena Faißner beschäftigte sich mit dem Bild der homosexuellen Frau in deutschen TV-Serien.

Der Verein Agpro, der 1998 gegründet wurde, hat eine Schwester. Die "Queer Business Women" gibt es seit 2005. Sie verfolgen gleiche Ziele: Unter anderem soll der Diskriminierung am Arbeitsplatz entgegengetreten werden. (Marijana Miljkovic/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 10. 2006)

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