Krebsresistente Mäuse gezüchtet

23. Oktober 2006, 14:06
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US-Forscher züchteten bereits 2000 Mäuse einer ganz besonderen Art - einer, die gegen alle Tumorarten immun ist

Die Wissenschafter vermuten, dass eine einzige Genmutation für den Krebsschutz verantwortlich ist. Nach dieser wird nun gesucht.

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Washington - Trotz neuer Medikamente und intensiver Forschung hat es die Medizin bislang nicht geschafft, Krebserkrankungen in den Griff zu bekommen. Zu komplex ist das Zusammenspiel der beteiligten Mechanismen im Körper. Doch ein spezieller Mäusestamm hat das Problem anscheinend trotzdem gemeistert: Ihr Immunsystem lässt Krebs keine Chance und zerstört die bösartigen Zellen.

Entdeckt wurden die Mäuse zufällig 1999 am Baptist Medical Center der Wake Forest University (USA). Während einer Krebsstudie injizierten Forscher um den Pathologen Zheng Cui Mäusen bösartige Krebszellen. Alle bildeten daraufhin Tumore, bis auf eine einzelne männliche Maus. Sie zeigte selbst bei wiederholter Injektion keinerlei Anzeichen von Krebs.

"Selbst hoch aggressive Krebsarten mit extrem großen Tumoren wurden beseitigt", berichtet Cui. Ausgehend von dieser männlichen Maus züchteten die Forscher inzwischen 2000 Nachkommen in 14 Generationen und stellten dabei überraschend fest, dass sich die Krebsresistenz fortpflanzt. Selbst bei der Paarung einer resistenten und einer normalen Maus sind 40 Prozent der Nachkommen ebenso immun gegen die Krankheit - ihr ganzes Mäuseleben lang.

Das funktioniert nach den jüngsten nun publizierten Studienergebnissen Cuis auch dann, wenn einer normalen Maus weiße Blutkörperchen einer krebsresistenten Maus transplantiert werden. Alle resistenten Mäuse sind dabei gesund und leben genauso lange, wie eine normale Maus.

Eigenes Abwehrsystem

Verantwortlich für diesen Krebsschutz sind die weißen Blutkörperchen dieses Mäusestamms, die Leukozyten. Sie sind auch im Immunsystem des Menschen für die Abwehr von Bakterien, Viren und anderen körperfremden Stoffen zuständig. In der krebsresistenten Maus hingegen funktionieren sie durch eine zufällige Mutation anders als normal, denn sie steuern ganz gezielt auf Tumorzellen zu und machen sie unschädlich, unabhängig von der Art des Krebses und ohne dass gesunde Zellen geschädigt würden. Dadurch bilden manche der Mäuse gar keinen Tumor, bei anderen hingegen entwickelt sich zunächst die Geschwulst, um dann innerhalb nur eines Tages wieder vollkommen zu verschwinden.

Als nächstes wollen Cui und sein Team den molekularen Mechanismus dahinter entschlüsseln. "Das Schlüsselelement ist, die verantwortliche Mutation zu finden", erklärt Cuis Kollege Mark Willingham.

Da ein hoher Anteil der Nachkommenschaft ebenso immun ist, gehen die Forscher davon aus, dass die Mutation nur auf einem einzigen Gen beruht, das dominant vererbt wird. "Wenn wir diesen Mechanismus kennen würden, der so potent viele Krebsarten bekämpft, wäre das eine Hoffnung, dass dies einst auch im Menschen funktionieren könnte", sagt Cui.

Experten vermuten schon länger, dass ein solcher genetischer Mechanismus möglicherweise auch für die extrem seltenen Spontanheilungen von Krebs beim Menschen verantwortlich ist. (Andreas Grote/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 10. 2006)

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    Hoffnungsträger Labormaus: Eine Genmutation macht einen besonderen Nagerstamm krebsresistent. Nur welche?

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