Einmal Rückenwind um 2,500.000 Euro

15. Oktober 2006, 19:14
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Um ein Hauptsponsor der Austria zu werden wie der Ver­bund, muss man diese Summe locker machen, DER STANDARD studierte die Unterlagen

Wien - Das billigste Ticket in die Sponsor-Etage der Austria kostet 16.500 Euro pro Saison. Wer es kauft, darf sich "Business-Partner" nennen. Wie Telekom Austria, Schneekoppe oder die Wiener Städtische. Austrias Manager Markus Kraetschmer: "Wenn wir alle zusammenzählen, haben wir jetzt schon mehr als 50 Partner." Schön und gut, aber diese Ansammlung von betuchten Gutwilligen macht noch keine Sponsorkultur und kein Budget. Der mit dem Verbund abgeschlossene Dreijahresvertrag um rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr fällt ins Gewicht und dank Platzierung auf der Spielerbrust auch ins Auge.

Wer weniger Geld riskieren will, kann um 650.000 Euro pro Saison das Schulterstück der Dress plus unter anderem fünf Meisterschaftsspiele erwerben: 240 Meter LED-Bande beim TV-Match. Ein Hauptsponsor kriegt drei Spiele und eine Option, für alle Europacup-Spiele acht VIP- und vier Parkkarten zu erhalten.

Die Qualifikation für die UEFA-Cup-Gruppenphase, der Verbund-Deal, Frank Stronachs Hilfe dabei und seine neuen freundlichen Nasenlöcher, die seit Monaten laufenden, durch die Aussicht auf einen Standortvorteil in Rothneusiedl erneuerten Verhandlungen mit Burger King, das Interesse von Intersport - das alles summiert sich zu einer aktuellen Klimaverbesserung. Deren Nachhaltigkeit wird man bis 28. Februar 2007 beurteilen können, denn bis dahin wollen Verein und Betriebsführer Magna die AG und eine klare Führungsstruktur installiert haben. Motto: Der Filz muss weg!

AG-Eintrittspreis offen

Kraetschmer: "Das Konzept für die AG ist fertig, wie viel der Eintritt kostet, ist noch nicht definiert." In Österreich betrage die Mindestausstattung einer (nicht börsennotierten) Aktiengesellschaft 70.000 Euro, wovon ein Viertel im Amt hinterlegt werden muss. In der deutschen Bundesliga muss die Kapitalgesellschaft eines Vereins über mindestens 2,5 Millionen Euro verfügen. An Bayern Münchens AG hält der Verein 90 Prozent, Adidas zehn Prozent, im Aufsichtsrat sitzt ein Sponsorvertreter, ohne dass die Firma sich in die AG einkaufte.

Sponsorunterlagen der Austria aus dem Juni 2006, in denen sie mit dem Standort Rothneusiedl lockte, wurden "nie öffentlich verwendet", so Kraetschmer, "denn ich kann die Straßenbahn nicht verkaufen, wenn sie mir nicht gehört". In dem Papier wird "ein modernes Stadion mit einer Kapazität von 30.000 Plätzen" beschrieben. "Ein neues Einkaufszentrum, gute öffentliche Anbindung erhöhen die Attraktivität des Standortes und sichern das Wachstumspotenzial für Verein und Regi-on." Wie für Burger King, Intersport und Co ausgedacht.

Der Werbewert der Magna-Investitionen (70 Prozent des Budgets) wird mit "acht Millionen Euro mit über 495 Millionen Personenkontakten" angegeben. Übrigens wird auch das "Sindelar-Bonus- System" ausgelobt, mit dem man als "registrierter Teilnehmer" für jeden Umsatz Punkte sammelt, die irgendwann gegen nicht käufliche Zuckerln (Abendessen mit Star) eingetauscht werden können.

Nur schade, dass weder Spieler noch Funktionär der Austria zur Präsentation des endgültigen Buches über Matthias Sindelar ("Im Inneren der Haut" von Wolfgang Weisgram, egoth Verlag) nach Favoriten fand. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 14.10.2006)

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    Austria-Manager Markus Kraetschmer und Vereins-Präsident Peter Langer können dank dem neuen Sponsor ein wenig aufatmen.

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