Tadic will Parlamentswahlen in Serbien vor Kosovo-Lösung

16. Oktober 2006, 14:15
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Serbiens Präsident: Um für "ruhigen, rationalen" Urnengang zu sorgen - Großer Respekt vor Ahtisaari

Helsinki - Nach dem Willen des serbischen Präsidenten Boris Tadic soll die endgültige Entscheidung zur Lösung der Kosovo-Statusfrage erst nach Parlamentswahlen in seinem Land in Angriff genommen werden. "In Hinblick auf den künftigen Status des Kosovo, denke ich, das ist ein sehr, sehr schmerzhafter und wichtiger Prozess für das heutige Serbien. Wir müssen uns aber alle gemeinsam um die gesamten Konsequenzen kümmern", sagte Tadic am Freitag in Helsinki nach einem Gespräch mit EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn.

"Es ist viel besser vor der Lösung des künftigen Status Wahlen in Serbien abzuhalten, weil Wahlen immer in Emotionen ausarten. Sollten wir Wahlen in dieser Atmosphäre haben, wäre das kontraproduktiv. Meine Meinung ist, ruhige, rationale Wahlen abzuhalten, in denen über alle Themen diskutiert, darunter auch Kosovo", sagte das Staatsoberhaupt weiter.

Tadic hofft, dass der finnische Ex-Präsident Martti Ahtisaari in seiner Funktion als UNO-Chefverhandler bei den Gesprächen über den Status der südserbischen Provinz bald konkrete Resultate erzielt, "die für beide Seiten akzeptabel sind, für Serbien und die Albaner". Er habe großen Respekt vor Ahtisaari, wenn er sich mit ihm manchmal in die Haare gerate. Ahtisaari hatte sich im Laufe der Gespräche den Unmut Belgrads durch mehrere Äußerungen zugezogen, in denen er Serbien mangelnde Kompromissbereitschaft vorwarf und mehrmals seine Präferenz für eine - möglicherweise bedingte - Form der Unabhängigkeit des Kosovo durchblicken ließ.

"Ich denke dabei nicht nur an den Kosovo, sondern auch an die regionale Perspektive in der Europäischen Union", führte tadic weiter aus, "Das Ergebnis muss für regionale Stabilität sorgen. Ohne Stabilität gibt es keine Entwicklung und Perspektive für unsere Länder und Nationalitäten. Und ich erwarte, dass Martti Ahtisaari den Prozess in diesem Sinne zu Ende bringt."

Ahtisaari glaubt nach eigenen Angaben nicht mehr an eine "ausverhandelte Lösung" der Statusfrage, zumal Pristina auf der Unabhängigkeit beharrt, Belgrad aber höchstens eine weit gehende Autonomie gewähren will. Ahtisaaris Stellvertreter Albert Rohan sagte am Freitag im Rahmen der 36. Außenpolitischen Gespräche im Schloss Hernstein (Niederösterreich), das Lösungspaket für die Zukunft des Kosovo werde im Lauf des Novembers fertig gestellt und präsentiert. Führende Parteien in Serbein haben sich öffentlich meist für eine Abhaltung der Parlamentswahl im Dezember ausgesprochen. (APA)

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