Premiere Österreich mit 207,7 Millionen im Minus

25. Oktober 2006, 15:08
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Sender spricht von "steuerlich nutzbaren Verlustvorträgen" - Im operativen Bereich will man 2007 schwarze Zahlen schreiben

Wien - Eigentlich wollte Premiere Österreich schon vor zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben - heute, vier Jahre nach dem Start des Pay-TV-Kanals in Österreich - ist der Sender nach einem Bericht des "WirtschaftsBlatts" mit mehr als 207 Millionen Euro (kumuliert über mehrere Jahre) im Minus. Dem Artikel zufolge musste Premiere Österreich im Geschäftsjahr 2005 einen Verlust von 10,8 Mio. Euro verbuchen und das, obwohl die Abonnentenzahlen auf rund 325.000 gesteigert werden konnten und sich der Umsatz von 63 auf 82,5 Mio. Euro erhöhte.

Aus der Sicht von Premiere selbst ist die Situation indes weit weniger dramatisch. Bei den hohen Minusbeträgen, die aus "grauer Vorzeit" stammten, handele es sich nicht um Verluste, sondern um steuerlich "nutzbare Verlustvorträge", so Premiere-Vorstand Michael Börnicke im Gespräch mit der APA. Sie hätten mit der operativen Entwicklung von Premiere Österreich in den vergangenen vier Jahren nichts zu tun. Beim operativen Geschäft würde man sich hingegen auf die schwarzen Zahlen zubewegen - den Break-Even erwartet Börnicke möglicherweise im kommenden Jahr.

Kauf von Fußballrechten

Die Verluste aus dem Vorjahr von knapp 11 Mio. Euro resultierten vor allem aus dem Kauf von Fußballrechten und Ausgaben für die Akquise neuer Abonnenten. Diese Investitionen werden sich in den kommenden Jahren bezahlt machen, so Börnicke. Laut "WirtschaftBlatt" beliefen sich etwa die Ausgaben fürs Marketing auf 2,5 Mio. Euro, die Vertriebs- und Verwaltungskosten sollen sich verdoppelt haben und die Verbindlichkeiten erhöhten sich auf 21 Mio. Euro.

Finanzielle Rückendeckung erhält die österreichische Tochter vom deutschen Muttersender. Dieser hat eine so genannte Patronatserklärung für Premiere Österreich abgegeben, die sie bei Illiquidität der Österreicher verpflichtet, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Laut Börnicke sei dies ein bei Töchtern übliches Vorgehen.

Für Film- und Sportlizenzen soll Premiere Österreich knapp 54 Mio. Euro jährlich auf den Tisch blättern. Obwohl dieser Betrag den Mammutanteil an Ausgaben darstellt, ist das Interesse des Senders an den heimischen Fußball-Bundesligarechten "ungebrochen", wie Börnicke betonte. Der Erwerb der TV-Rechte für die österreichischen Fußballligen habe das Unternehmen "vorangebracht". Um die Rechte für die EURO 08, die nach derzeitigem Wissensstand an den ORF gehen, habe sich Premiere hingegen nicht beworben. Damit ließen sich nicht genügend Abonnenten gewinnen, um die Rechtekosten zu refinanzieren. Ein Engagement sei für den Pay-TV-Sender somit aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll gewesen. (APA)

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