Britische Justiz macht USA für Tod von Reporter verantwortlich

16. Oktober 2006, 08:36
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Fernsehjournalist zu Beginn des Irak-Kriegs erschossen - Pentagon weist Vorwürfe zurück

Oxford - Ein britischer Untersuchungsrichter hat US-Soldaten für den Tod eines Fernsehreporters zu Beginn des Irak-Kriegs verantwortlich gemacht. Zum Abschluss einer gerichtlichen Untersuchung in Oxford kündigte Richter Andrew Walker am Freitag an, er werde den Generalstaatsanwalt bitten, die mutmaßlichen Täter vor Gericht zu stellen. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die Soldaten hätten die Regeln für den Einsatz befolgt.

In dem Verfahren ging es um den Tod des 50-jährigen Briten Terry Lloyd, der für den Sender ITN über den Beginn der Irak-Invasion berichtete. Er kam am 22. März 2003 im Südirak ums Leben, nachdem sein Kamerateam ins Kreuzfeuer zwischen amerikanischen und irakischen Truppen geraten war. Ein Ballistik-Experte sagte in Oxford aus, dass Lloyd von einer irakischen Kugel getroffen und verletzt worden sei.

"Erdrückende Beweise"

Als er bereits in einem Minibus, der als Krankenwagen gebraucht wurde, gelegen habe, sei er noch von der Kugel aus einer amerikanischen Waffe im Kopf getroffen worden. Dieser zweite Schuss sei tödlich gewesen. "Die Beweise, dass diese Kugel von Amerikanern abgefeuert wurde, sind erdrückend", erklärte Richter Walker. Das Fahrzeug habe keine Bedrohung für die US-Truppen dargestellt.

Das Pentagon erklärte, eine eigene Untersuchung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die US-Truppen die Einsatzregeln befolgt hätten. Zivilpersonen wie Journalisten seien niemals wissentlich Ziele gewesen. Man habe stets "extreme Maßnahmen" ergriffen, um zivile Opfer und Kollateralschäden zu vermeiden.

Witwe wirft US-Truppen Kriegsverbrechen vor

Lloyds Witwe Lynn ließ von ihrem Anwalt eine Erklärung verlesen, in der sie den US-Truppen ein Kriegsverbrechen vorwarf. Die US-Streitkräfte hätten zugelassen, dass sich ihre Soldaten "wie Cowboys in einer Gegend verhalten, in der Zivilpersonen unterwegs waren". Von den Kollegen Lloyds wurde auch der libanesische Übersetzer Hussein Osman getötet. Der französische Kameramann Fred Nérac gilt offiziell als vermisst. Nur der belgische Kameramann Daniel Demoustier überlebte.

Er sprach sich nach dem Urteil in Oxford dafür aus, dass die US-Streitkräfte ein Verfahren wegen Kriegsverbrechen einleiten sollten. Es sei weiter unklar, ob Lloyd von dem Geschoss eines US-Panzers oder eines amerikanischen Hubschraubers getötet wurde. Die Besatzung eines Panzers hätte gesehen, dass sie auf ein ziviles Fahrzeug feuerten, sagte der Kameramann. (APA/AP)

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