Outsourcing-Markt: IT-Branche trotzt dem Negativtrend

22. Oktober 2006, 17:06
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Steigende Anbieterzahl forciert Preisdruck - Kundenansprüche steigen

Outsourcing-Anbieter sehen sich weltweit einem zunehmend härteren Wettbewerb ausgesetzt, die Anzahl der Wettbewerber nimmt zu, während die Preise zunehmend gedrückt werden. Dies bestätigt auch die zehnte aktuelle Auflage der jährlichen IDC-Studie "Top 100 Worldwide Outsourcing Deals". Laut den Studienautoren stieg im vergangnen Jahr zwar die Anzahl der abgeschlossenen Outsourcing-Verträge, deren Wert nahm jedoch ab, auch die Dauer der Verträge geht zurück. Da immer mehr Anbieter auf den Markt drängen, können Kunden unter einer größeren Angebotsvielfalt wählen, der Preiswettbewerb unter den Outsourcing-Unternehmen steigt.

Weniger

Insgesamt ging das Volumen aller im Jahr 2005 abgeschlossenen Aufträge um 3,1 Prozent auf 67,9 Mrd. Dollar zurück. Während sich die Zahl der Business-Process-Outsourcing-Verträge verringerte, stieg die Anzahl der IT-Outsourcing-Deals. In diesem Feld konnten die Studienautoren vor allem eine erhöhte Nummer der Netzwerk- und Desktop-Verträge feststellen, deren Anteil an der Gesamtzahl der Outsourcing-Verträge von 14,6 Prozent im Jahr 2004 auf 32,4 Prozent kletterte. Obwohl immer mehr Anbieter am Outsourcing-Markt präsent sind, stieg im vergangenen Jahr der Marktanteil der großen Unternehmen. Nahmen 2004 noch sechs Anbieter 54 Prozent des Marktes ein, waren es 2005 nur noch fünf, die beinahe denselben Anteil für sich beanspruchten. Diese waren IBM global Services, EDS, BT Group, CSC und T-Systems.

Tief

Außer IDC bestätigt auch der Outsourcing-Berater Technology Partners International (TPI) n seinem aktuellen Outsourcing-Bericht zum dritten Quartal diese Markttrends. Laut den TPI-Analysten ist die Anzahl der Verträge mit einem Volumen von einer Mrd. Dollar am tiefsten Punkt seit vier Jahren angekommen, die Zahl der kleineren Single-Process-Verträge nimmt dagegen stark zu. Diese Ergebnisse bestätigt auch die IDC-Studie. Sowohl Verträge, deren Volumen über einer Mrd. Dollar liegt, als auch jene, deren Wert mehr als 500 Mio. Dollar beträgt, sinken stetig. Die Anzahl der abgeschlossenen Verträge mit Volumen unter 250 Mio. Dollar erhöhte sich von acht Prozent im Jahr 2004 auf 23 Prozent im vergangenen Jahr. "Es ist richtig, dass die Zahl der Mega-Deals in den vergangenen Jahren insgesamt abgenommen hat. Auch der Trend zu einer verkürzten Vertragsdauer ist für uns nachvollziehbar", bestätigt Gertrud Nöth, EDS Deutschland-Sprecherin, die Entwicklungen gegenüber pressetext. "Das Wettbewerbsumfeld ist derzeit sehr eng und wird es vermutlich auch in den nächsten Jahren bleiben. Es setzt sich unter anderem aus Global Playern und starken lokalen und regionalen Playern zusammen, wie beispielsweise T-Systems oder Atos Origin in Europa. Darüber hinaus drängen reine Offshore-Anbieter in den europäischen Markt."

Neue Konkurrenten

Neben lokalen Märkten wie in Großbritannien, wo unter anderem T-Systems zu den direkten Mitbewerbern zählt, seien es auch Offshore-Anbieter, die zunehmend nach Europa drängen und auf diesem Markt zu neuen Konkurrenten werden, so Nöth. Gegenüber etablierten Anbietern aus den USA und Europa, nimmt die Bedeutung kleinerer indischer Anbieter stetig zu, so weitere Ergebnisse der TPI-Studie. Diese würden eher auf den vorherrschenden Preiswettbewerb einsteigen und konnten 2006 bereits acht Prozent aller abgeschlossenen Outsourcing-Verträge für sich gewinnen, ein Jahr davor lag ihr Anteil erst bei zwei Prozent.

Preisdruch

TPI bekräftigt in seiner Studie ebenso den steigenden Preisdruck der Anbieter und die verkürzte Dauer der abgeschlossenen Verträge. IT-Outsourcing-Dienstleister müssten, so die Studienautoren, nun in kürzerer Zeit ihre Leistung zeigen, um Kunden längerfristig zu binden. Um sich auf die Entwicklungen der kommenden Jahre einzustellen, sollten Anbieter nach Ansicht der IDC-Experten eine Anpassung ihrer Geschäftsmodelle an die neuen Marktgegebenheiten vornehmen. Neue und flexiblere Service-Möglichkeiten sollten in Zukunft im Vordergrund stehen, die angebotenen Dienste sollten auf einer globaleren Ebene verfügbar sein. Darüber hinaus müssten sich Outsourcing-Anbieter auch an neue Kundenschichten in aufstrebenden Märkten richten und Non-IT-Möglichkeiten anbieten. Der Bedarf an Outsourcing-Dienstleistungen wird auch in den nächsten Jahren zunehmen. "Der Finanzbereich wird weiter aufbrechen, wobei auch hier zwischen lokalen Märkten zu unterscheiden sein wird. Auch im öffentlichen Sektor wird es noch starke Entwicklungen geben", erläutert Nöth zwei jener Branchen, die am Outsourcing-Markt in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen werden. (pte)

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