Eure Währung, teure Währung

16. Oktober 2006, 01:01
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Die "Schatzmeister" von heute haben einen Namen: Treasurer. Sie identifizieren, bewerten und sichern finanzielle Risiken für Unternehmen bei Wechselkursen und Zinsschwankungen

Selbst Profis können die Entwicklung der Wechselkurse von Währungen bestenfalls nur für einen kurzen Zeitraum prognostizieren. Die daraus resultierenden Unsicherheits-Faktoren sind daher ein nicht zu vernachlässigender Bestandteil der Unternehmensrisiken. Treasury-Produkte bestehen in der heutigen Zeit nicht mehr nur aus der Palette der klassischen Geschäfte im Rahmen des Devisen- und Geldhandels. Vielmehr haben die neuen Erfordernisse im Währungs- und Risikomanagement eine Vielzahl komplexer und strukturierter Treasury-Produkte entstehen lassen.

Währungsmanagement beim Firmenkunden

Beispiel: Ein österreichischer Maschinenbauer bewirbt seine Produkte im US-amerikanischen Markt. Mit Erfolg. Er verkauft eine Anzahl von Maschinen. Während er, beispielsweise drei Monate lang, auf sein Geld aus den USA wartet, gibt es Preisbewegungen am Markt. Im worst case bricht der Dollar gegenüber dem Euro in dieser Zeit ein, sodass der Unternehmer weniger Euro für den gleich bleibenden Dollar-Betrag, der im Vertrag festgehalten ist, erhält, so Wolfgang Kalinka, Head of Corporate Sales bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB).

Genau dagegen wollen (müssen) sich Konzerne und Betriebe absichern. Das Devisentermingeschäft ist das klassische Kurssicherungsinstrument. Dabei verpflichtet sich die Bank, einen bestimmten Fremdwährungsbetrag zu einem bereits bei Abschluss des Geschäftes festgelegten Kurs zu einem späteren Zeitpunkt bereitzustellen oder anzukaufen. Das heißt, für den oben genannten Maschinenbauer steht von vornherein fest, dass er in drei Monaten einen ganz bestimmten Euro-Betrag zu erwarten hat und keinen bösen Überraschungen ausgeliefert ist.

Beim Abschluss des Devisentermingeschäfts werden Fremdwährungsbetrag, Kurs und Erfüllungstermin festgesetzt. Laufzeiten sind grundsätzlich individuell gestaltbar. Am Erfüllungstag werden die Währungen zum vereinbarten Terminkurs getauscht.

Ausgangslage des Terminkurses ist der aktuelle Kassakurs. Dazu wird der Auf- bzw. Abschlag berücksichtigt. Dieser spiegelt die Zinsdifferenz der beiden Währungen auf die Laufzeit des Termingeschäftes umgelegt auf den Kurs wider. Das heißt, der Unterschied zwischen Kassa- und Terminkurs hat nichts mit einer Kurseinschätzung zu tun, sondern wird allein durch Kassakurse und Zinsdifferenz bestimmt.

Optionen

Eine weitere Form der Absicherung wäre der Kauf von Devisen-Optionen. Eine Währungsoption gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Verpflichtung, einen bestimmten Währungsbetrag gegen eine andere Währung zu einem fixen Preis, der den Absicherungsgrad des Kunden bestimmt (Basispreis, Strike Price) innerhalb eines vorher fixierten Zeitraumes (American style) oder nur am Fälligkeitstag (Expiry Date, European style) zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option).

Der Käufer hat für dieses Recht eine Prämie an den Verkäufer, der das volle Risiko der Wechselkursänderung übernimmt, zu bezahlen, so Marcus Zimmermann, Senior Dealer Corporate Sales bei der RZB.

Die Prämie setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen und hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Kassakurs, entspricht dem aktuellen Wechselkurs
  • Strike Price, entspricht dem durch die Option garantierten Wechselkurs
  • Laufzeit der Option (je länger die Laufzeit, desto teurer die Option)
  • Volatilität (Schwankungsbreiten) des Wechselkurses
  • Im Zinsbereich sind die Schwankungsbreiten höher als im Währungsbereich, wo sich die Kurse tagtäglich viel weniger stark bewegen. Eine Asset-Klasse, wo sich die Volatilität noch stärker bewegt als im Währungsbereich, sind die Aktienmärkte, die wiederum derzeit noch getoppt werden durch die Rohstoffmärkte. Zum Vergleich: Die Volatilität Euro - Dollar in den letzten sechs Monaten liegt in etwa bei 7,5, bei den Rohölen bei 40 Prozent. Somit würde eine Option im Rohstoffmarkt wesentlich mehr kosten. Hier sieht RZB-Experte Kalinka noch Bedarf an Risiko-Management.

    Darüber hinaus gibt es Kombinationen von gekauften und verkauften Optionen. Die Prämie, die für den Kauf der Absicherung aufgewendet wird, wird durch den Erhalt einer Prämie aus einer verkauften Option kompensiert (Zylinder-Optionen).

    Strategie-Wechsel

    Ändern sich die Markterwartungshaltungen, muss ein Kunde nicht das gewählte Absicherungsprodukt "durchsitzen", sondern kann zu Alternativ-Strategien überwechseln. Die bestehende Absicherung wird mittels einer den aktuellen Gegebenheiten entsprechenden Variante umstrukturiert. Die RZB offeriert zudem Produkte, die eine auf die einzelnen Kundenbedürfnisse zugeschnittene optimale Finanzierungsvariante darstellt.

    Derzeit zählt die RZB im Risiko-Management neben Österreichs Top-1000-Unternehmen auch Versicherungen im In- und im Ausland, sowie exportorientierte Mittelstandsbetriebe zu ihren Kunden. Strategien, die in Österreich bereits erfolgreich angewendet werden, sollen künftig auch in Deutschland, dem osteuropäischen Markt oder Skandinavien, wo eben die entsprechende Infrastruktur aufgebaut wird, Eingang finden.

    Dynamische Absicherung gegen Zinsrisiken

    Unternehmen, die auf der finanzierenden Seite sind, wollen den Zinsaufwand so gering wie möglich halten und bevorzugen daher einen Zinssatz, der sich am so genannten EURIBOR orientiert. Darunter versteht man den Zinssatz, der täglich von der EZB für verschiedene Laufzeitperioden festgelegt wird und auch als Referenz-Zinssatz für Liquiditätsbereitstellung oder Kreditvergabe dient. Eine Serie von Zinserhöhungen könnte nun dazu führen, dass sich die Verbindlichkeiten für den Kunden stark erhöhen. Auch hier gibt es Möglichkeiten, sich abzusichern:

    Trigger Swaps geben Kreditnehmern, die sich auf variabler Basis finanzieren, eine kostengünstige Absicherungsmöglichkeit, wenn diese steigende kurzfristige Zinssätze erwarten, aber die Erwartungen des Marktes in den Forward Zinssätzen als überhöht angesehen werden.

    Bei einem Trigger Swap handelt es sich um einen Interest Rate Swap (IRS), bei dem der Swapkäufer bis zu einem vordefinierten Triggerlevel einen Fixzinssatz zahlt, der unter dem derzeitigen Zinsniveau liegt und den Drei-Monats-Satz erhält. Als Basis für den Triggerlevel dient ein kurzfristiger Zinsindex. Fixiert der kurzfristige Index zu einem Festsetzungszeitpunkt über dem Trigger, zahlt der Swapkäufer statt des Fixzinssatzes den kurzfristigen Zinssatz abzüglich eines Abschlages.

    Für den Triggerlevel gilt, dass dieser frei gewählt werden kann. Je niedriger, desto höher werden die Abschläge zum IRS-Satz, dafür ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Tausch in eine variable Verbindlichkeit stattfindet. Der Vorteil dieses Produkts liegt in einem günstigeren Fixzinssatz im Vergleich zum Plain Vanilla Interest Rate Swap und einer Absicherung bis zum Triggerniveau. Sollte der Drei-Monatszinssatz zu einem Rollovertermin über dem Trigger fixiert werden, bekommt der Kunde noch immer einen Abschlag auf den Drei- Monats-Satz und ist damit noch günstiger finanziert als die ungehedgte Position, so Kalinka.

    Risikokategorie übergreifende Lösungen

    Strukturierte und auch Risikokategorie übergreifende Lösungen haben in den letzten Jahren großen Zuspruch erhalten. Friedrich Galavics, Abteilungsleiter Treasury Sales bei der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) nennt hier die so genannten FX linked Zinsprodukte: Das Unternehmen kann variable verzinste Finanzierungen (ohne in die Kreditverträge einzugreifen) mit attraktiven Zinsobergrenzen versehen, sodass der maximale Zinsaufwand in den nächsten fünf Jahren kalkulierbar ist. Die Kosten für diese "Versicherung" optimiert die Bank Austria Creditanstalt AG gemeinsam mit dem Kunden, z.B. durch eine Eventualverpflichtung in der Zukunft in einen (derzeit zinsgünstigeren) CHF Kredit umzusteigen. Eine entscheidende Rolle spielt natürlich die aktuelle Marktentwicklung.

    Betrachtet man den Währungsbereich isoliert, liegen hier Optionsstrategien der dritten Generation voll im Trend. Absicherungen mit verschiedenen Barriers (also Aktivierungs- oder Deaktivierungsniveaus) bieten den Unternehmen genügend Gestaltungsmöglichkeiten. Muss ein Importeur in sechs Monaten US-Dollar kaufen, so kann er dies heute beispielsweise mit einem Kurs von Euro/Dollar 1,2600, solange der Euro-Dollar-Kurs während der Laufzeit nicht 1,1500 (Deaktivierungsniveau) oder 1,3000 (Deaktivierungsniveau) erreicht. Von Kursanstiegen profitiert der Kunde bis zu einem Euro-Dollar-Niveau von 1,3000, präzisiert Galavics.

    Zinscap

    Der Zinscap stellt eine Absicherungsvariante gegen steigende Zinsen für geldmarktgebundene Kredite dar.

    Zwischen Bank und Kunde wird eine Zinsobergrenze (Cap) für einen Kredit/ein Darlehen vereinbart, die auch bei steigenden Zinsen nicht überschritten wird.

    Dafür ist vom Kunden eine Prämie zu bezahlen, die entweder einmalig zu Beginn der Vereinbarung gezahlt wird, oder auf die Finanzierung zusätzlich aufgeschlagen wird. Die Höhe dieser Prämie ergibt sich aus der gewählten Laufzeit und der Höhe der Zinsobergrenze. Je länger die Laufzeit und je niedriger der Cap gewählt wird, desto höher ist die Prämie.

    Der Vorteil für den Kunden liegt darin, dass er gegen steigende Zinsen abgesichert ist, gleichzeitig aber bei sinkenden Zinsen von einem niedrigeren Darlehenssatz profitieren kann, erklärt Andreas Zois, Treasury-Chef bei der Hypo Group.

    Zinscollars

    Zinscollars funktionieren ähnlich dem Zinscap, es wird allerdings nicht nur eine Zinsober-, sondern auch eine Zinsuntergrenze vereinbart. Das heißt, bei steigenden Zinsen gibt es eine Absicherung bei Überschreiten des oberen Bandes, bei fallenden Zinsen profitiert der Kunde nur bis zur Zinsuntergrenze.

    Die Kosten der Absicherung sind geringer als beim Zinscap, da der Kunde bei fallenden Zinsen aufgrund der Zinsuntergrenze (Floor) nicht zur Gänze profitiert.

    Zinscap und Zinscollar können entweder direkt in den Kreditvertrag eingebaut werden oder auch zu einem späteren Zeitpunkt getrennt davon abgeschlossen werden. (Sigrid Schamall)

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      Unternehmen heißt riskieren. Erfolgreich unternehmen heißt kalkuliert riskieren. Je besser ein Unternehmen gegen Risiken gewappnet ist, umso profitabler kann es wirtschaften.

    • Kalinka, Head of Corporate Sales bei der RZB: "Hinter jeder Telefonstimme sitzt eine Persönlichkeit." Die RZB ist bemüht, für jeden Kunden ein maßgeschneidertes Konzept anzubieten.
      foto: martin schreiber

      Kalinka, Head of Corporate Sales bei der RZB: "Hinter jeder Telefonstimme sitzt eine Persönlichkeit." Die RZB ist bemüht, für jeden Kunden ein maßgeschneidertes Konzept anzubieten.

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