In Spanien boomen sogenannte Sex-Supermärkte

30. Juni 2000, 14:17

Symposium über Prostitution und Menschenhandel

Madrid - Das kleine Bordell an der Landstraße, in dem Fernfahrer "Entspannung" finden, ist out. Stattdessen breiten sich in Spanien immer stärker so genannte Sex-Supermärkte aus. Sie bieten nicht nur die klassische käufliche Liebe an, sondern auch andere Dienste bis hin zur Autowäsche. "Wir lösen die Freizeit-Probleme von Männern, die arbeiten", verspricht eines dieser Makro-Bordelle in seiner Werbung.

Diese Zentren haben wenig gemein mit den bescheidenen Bordells alten Stils und deren lauschiger Atmosphäre. Hier geht es um Millionen-Investitionen, hinter denen größere Firmen stehen. Die Sex-Supermärkte werfen nicht nur riesige Gewinne ab, sondern sie haben, wie die Zeitung "El Pais" schreibt", für die BetreiberInnen auch juristisch einen Vorteil: "Man arbeitet mit mehreren Lizenzen. Dies macht es den Gerichten schwer, solche Etablissements schließen zu lassen. Wird einem Bordell die Restaurant-Lizenz entzogen, kann es als Herberge weiterbetrieben werden."

Boomendes Geschäft

Nach einem Bericht, der in dieser Woche beim Internationalen Symposium über Prostitution und Menschenhandel in Madrid vorgelegt wurde, nehmen 40 Prozent der spanischen Männer wenigstens einmal im Leben die Dienste von Prostituierten in Anspruch. In Großbritannien sollen es lediglich 6,6 Prozent sein. In den spanischen Zeitungen - auch in den seriösen Blättern - sind die Kleinanzeigen-Seiten zu etwa 30 Prozent mit Sex-Annoncen der Sparte "Relax" gefüllt.

Bei dem Kongress, an dem 400 ExpertInnen aus 13 Ländern teilnahmen, zeigten WissenschaftlerInnen auf, dass die Glitzerwelt der Groß-Bordelle eine finstere Kehrseite hat. "Die Prostitution ist kein Beruf, sie ist eine Form der Sklaverei und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", lautete die Schlussfolgerung. SoziologInnen, PsychologInnen und andere ExpertInnen plädierten dafür, die Prostitution nicht als eine normale Arbeit anzuerkennen, sondern sie - ähnlich wie in Schweden - mit Verboten zu bekämpfen.

Unter Terror

Nach Angaben der ExpertInnen verkauft kaum eine Prostituierte freiwillig ihren Körper. Die meisten der 300.000 Liebesdienerinnen in Spanien seien Ausländerinnen, die unter falschen Versprechungen ins Land gelockt worden seien und dem Terror von Zuhältern unterstünden. Die einheimischen Prostituierten seien zu 90 Prozent drogenabhängig, hieß es. "Künftige Generationen von Mädchen aus armen Ländern werden in der expandierenden Sex-Industrie geopfert", sagte die philippinische Expertin Aurora Javate.

Der Madrider Prostituierten-Verband Hetaira widersprach allerdings den WissenschafterInnen. "Viele Frauen wurden zu Prostituierten, weil sie wegen mangelnder Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt sonst keine Chance haben und weil sie so in kurzer Zeit relativ viel Geld verdienen können", sagte die Hetaira-Sprecherin Cristina Garaizabal. (dpa)

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