Aus der Schubhaft ins Spital

31. Oktober 2006, 09:12
520 Postings

Nigerianer nach 40-tägigem Hungerstreik ohne weitere Hilfe auf die Straße gesetzt - Kurz danach brach er zusammen

Wien – Hungerstreiks in Schubhaft stellen heimische Behörden weiterhin vor große Probleme. Nach dem Tod des 19-jährigen Gambiers Yankuba C. in Linzer Polizeigewahrsam im Vorjahr, gibt es nun auch in Wien schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit der medizinische Betreuung eines Schubhäftlings.

Der 30-jährige Geoffrey A. aus Nigeria war nach längerem Hungerstreik vergangenen Dienstag aus der Sanitätsstelle der Schubhaft entlassen worden, unmittelbar danach aber auf offener Straße zusammengebrochen. Nach einem weiteren Kollaps zwei Stunden später konnte der völlig geschwächte Mann im Wiener AKH gerettet werden.

Ehefrau nicht informiert

Ihr Mann sei während der 40-tägigen Nahrungsverweigerung von 70 auf 47 Kilogramm abgemagert, wurde die österreichische Gattin des Schubhäftlings im ORF-Morgenjournal zitiert. Sie sei von der Entlassung nicht informiert worden, ihr Mann sei einfach auf die Straße gesetzt worden, wirft sie der Fremdenpolizei vor. Ärzte befürchten, dass sich der Nigerianer durch den Hungerstreik eine Herzmuskelentzündung zugezogen haben könnte.

Willfried Kovarnik, der Leiter der Verwaltungspolizeilichen Abteilung, betonte am Freitag auf Standard-Anfrage, dass Geoffrey A. während des Hungerstreiks ständig medizinisch betreut worden sei. Eine – gesetzlich mögliche – Zwangsernährung sei aus ärztlicher Sicht (noch) nicht notwendig gewesen. Da der Zustand des Nigerianers aber auch keine Abschiebung zugelassen habe, sei er schließlich entlassen worden. „Man hat ihm sogar noch Milch und Semmeln mitgegeben“, so Kovarnik. Zum weiteren Prozedere erklärte der Beamte, dass Geoffrey A. nach seiner Genesung auf jeden Fall abgeschoben werde. Gegen den Nigerianer sei nach Verurteilungen und einem negativen Asylverfahren ein unbefristetes Aufenthaltsverbot aufrecht. Terezija Stoisits von der Grünen kritisierte, dass die Polizei den geschwächten Schubhäftling einfach sich selbst überlassen habe.

Derzeit befinden sich in der Bundeshauptstadt 330 Menschen in Schubhaft. Rund 200 davon sind „Gasthäftlinge“ die anderen Verwaltungsbezirken zugeordnet sind, aber aus Platzmangel nach Wien verlegt wurden. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 14./15.10.2006)

Link

Mehr zum Fall auf den Seiten des Morgenjournals

Nachlese

Causa Ben Habra S.
Share if you care.