Furcht vor erneuten Schul-Amokläufen wächst

16. Oktober 2006, 11:38
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Kanadische Schule geschlossen, eine weitere in Los Angeles von Sprengstoffexperten durchsucht, Großalarm wegen Vermummten in deutscher Grundschule

Ottawa/Los Angeles - Nach der Serie bewaffneter Angriffe auf Schulen in den USA wächst jenseits des Atlantiks die Furcht vor Wiederholungstätern: Eine Sekundarschule im westkanadischen Grand Prairie musste am Donnerstag stundenlang geschlossen werden, während die Polizei nach der Handfeuerwaffe eines 17-jährigen suchte, wie eine Beamtin berichtete.

Waffe nicht gefunden

Der Jugendliche sei dabei beobachtet worden, wie er mit der Waffe die Schule betreten habe. Er sei bereits kurz darauf festgenommen worden, eine Waffe sei aber nicht gefunden worden.

Verdächtiges Objekt

In Los Angeles durchsuchten nach Polizeiangaben Sprengstoffexperten eine Schule im Stadtteil Alhambra, nachdem ein Angestellter in einem Abfalleimer ein "verdächtiges zylindrisches Objekt" entdeckt hatte. Das Schulgebäude wurde geräumt. Erst am Vortag waren nahe der Schule zwei verdächtige Gegenstände gefunden worden. Die Polizei wollte keine Angaben dazu machen, ob es sich bei diesen Objekten um Bomben handelte.

Bluttaten

In den USA und Kanada waren Schüler in den vergangenen Wochen mehrfach Opfer von Gewalttätern geworden: Anfang Oktober hatte ein Mann in einer Dorfschule der christlichen Religionsgemeinschaft der Amish im Bundesstaat Pennsylvania fünf Mädchen regelrecht hingerichtet und fünf weitere teils lebensgefährlich verletzt, bevor er sich selber erschoss. Wenige Tage zuvor hatte ein Geiselnehmer in einer Highschool im Bundesstaat Colorado eine 16-Jährige und sich selbst erschossen. In Kanada erschoss ein 25-Jähriger vor einem Monat an einem College in Montreal eine Frau und verletzte 19 Menschen. Am Montag stürmte im US-Bundesstaat Missouri ein 13-Jähriger mit einem Sturmgewehr eine Schule, ein klemmender Abzug verhinderte offenbar ein Blutbad.

Auch in Deutschland alarmiert

Auch in Deutschland, wo sich 2002 ein Massaker mit 17 Toten am Gutenberg-Gymnasium ereignete, ist man sensibilisiert: Besorgte Hinweise auf vermummte Personen in einer Grundschule in Niederbayern haben am Freitag einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Mehrere Schüler wollten in dem Gebäude im niederbayerischen Hofkirchen um 7.20 Uhr mindestens zwei Vermummte gesehen haben. Vorsichtshalber wurden alle 82 Schüler nach Hause geschickt, Polizisten umstellten die Schule. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) aus München durchsuchte am Vormittag das Gebäude, dabei wurde aber niemand gefunden.

Polizei gab Entwarnung

Die Ermittler wollten nicht ausschließen, dass es sich bei den Verdächtigen um Diebe handelte, die in der Nacht in die Grundschule eingestiegen seien. Ein Zeitungsausträgerin habe bereits in der Früh Licht in der Schule gesehen, sagte ein Polizeisprecher. Normalerweise hätte niemand zu dieser Zeit in dem Gebäude sein dürfen. (APA/dpa/AFP/red)

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