Innenministerium verliert durch Gewalt täglich 25 Polizisten

16. Oktober 2006, 18:03
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US-Experten kritisieren mangelhafte Ausbildung

Chicago - Wegen der zahlreichen Anschläge rechnet das irakische Innenministerium derzeit den Verlust von 25 Polizisten pro Tag in seine Planungen ein. In diesem Jahr werde davon ausgegangen, dass durchschnittlich jeden Tag zehn Polizisten getötet und 15 weitere so schwer verletzt würden, dass sie nicht mehr arbeiten könnten, sagte ein US-Sicherheitsberater für das Innenministerium in Bagdad, Gerald Burke, am Donnerstag (Ortszeit) vor einem Ausschuss demokratischer Senatoren in Washington.

Ein großer Teil des heutigen Ausmaßes der Gewalt im Irak liege darin begründet, dass unmittelbar nach dem US-Einmarsch im März 2003 zu wenig für die Durchsetzung von Recht und Ordnung getan worden sei.

Entsendung von 6.000 Ausbildern und Beratern empfohlen

Burke gehörte zu einem Team von sechs Spezialisten, die das US-Justizministerium im Mai 2003 zur Überprüfung des dortigen Rechtssystems in den Irak entsandte. Sein Team habe die Entsendung von 6.000 Ausbildern und Beratern für die irakische Polizei empfohlen, sagte der Sicherheitsexperte. Bewilligt wurden stattdessen aber nur 1.500 Trainer, von denen die ersten 24 zudem erst nach sechs Monaten in dem zerstörten Land eingetroffen seien. Zur Jahresmitte 2004 seien weniger als 100 zivile Ausbilder vor Ort gewesen, so dass Soldaten die irakischen Polizeianwärter geschult hätten, sagte Burke weiter. Dadurch habe sich deren Training weitgehend auf militärische Fähigkeiten beschränkt.

Ein US-Ausbilder kritisierte, den irakischen Polizisten sei nur eine Woche Ausbildung zugestanden worden. Dies sei vollkommen unzureichend gewesen. Da nachmittags nicht unterrichtet werden konnte, seien unterm Strich nur 16 Stunden Unterrichtszeit übrig geblieben. Die Gruppen hätten aber bis zu 200 Rekruten umfasst, und zudem sei stets die Hilfe eines Dolmetschers nötig gewesen. (APA)

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