Europaweiter "Trend der repressiven Politik"

12. Oktober 2006, 20:27
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Netzwerk Tampep tagte in Turin - Lebens- möglichkeiten von SexarbeiterInnen durch Kriminalisierung beeinträchtigt

Turin - Von 25.-27. September 2006 trafen sich in Turin/Italien die Mitglieder des europäischen Netzwerks TAMPEP, um gemeinsame Strategien im Kampf um die Anerkennung der Rechte von SexarbeiterInnen zu erarbeiten. Die Mitglieder des Netzwerks – SexarbeiterInnen, AktivistInnen und andere ExpertInnen – arbeiten seit 1993 und in mittlerweile 24 europäischen Ländern für verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen für SexarbeiterInnen, besonders für MigrantInnen.

Auch Lefö nahm als österreichische Partnerorganisation des europäischen Netzwerkes an der Tagung bei. Lefö-Koordinatorin Maria Cristina Boidi erklärte, die Einbeziehung von SexarbeiterInnen in die öffentliche Diskussion sei eine der wichtigsten Voraussetzungen, um die Wahrung ihrer Rechte sicherzustellen. "Diskriminierung, Marginalisierung und Kriminalisierung – wie es heute mehrheitlich die Praxis ist – sind Negativfaktoren, die sich erheblich auf die Lebensmöglichkeiten von SexarbeiterInnen auswirken und vor allem auch ihre Gesundheit beeinträchtigen", so Boidi in einer Aussendung.

Trend zur Repression

Die Mitglieder des Netzwerks – über 60 VertreterInnen aus verschiedenen west-, mittel- und osteuropäischen Ländern – zeigten sich alarmiert über den europaweiten Trend der repressiven Politik gegenüber SexarbeiterInnen. "Ob in Paris, Madrid oder Budapest – es zeigt sich überall das gleiche Bild: SexarbeiterInnen – mehrheitlich MigrantInnen – müssen als Sündenbock für die Schwierigkeiten und Konflikte der Gesellschaft herhalten. Ihre Rechte werden auf dem Markt der verschiedenen ökonomischen und politischen Interessen verhandelt", so die Expertin von LEFÖ.

Mangel an Unterstützung

In dieser Situation wäre es besonders wichtig, niederschwellige Beratungs- und Informationsangebote zu fördern, die SexarbeiterInnen rechtliche, soziale und gesundheitliche Unterstützung anbieten. "Es muss europäischer Konsens sein, die wachsende Realität von Prostitution und Migration ernst zu nehmen und darauf nicht mit restriktiven Maßnahmen zu antworten, sondern ausreichende Informations- und Unterstützungsangebote zu schaffen", betonte Boidi. Neben dem Bedarf gibt es in Österreich auch konkrete Erfahrungswerte: LEFÖ arbeitet bereits seit 15 Jahren für die Rechte von SexarbeiterInnen. "Die langfristige finanzielle Absicherung dieser Arbeit ist aber immer noch offen. Dabei wäre eine niederschwellige Beratungsstelle für SexarbeiterInnen heute mehr denn je eine politische und gesellschaftliche Notwendigkeit", so Boidi abschließend. (red)

  • v.l.n.r.:
Kouka Garcia, Camille Cabral – PASTT Prévention Action Santé Travail pour les Transgenres (Frankreich),
Jennifer Butler – UNFPA United Nations Population Fund,
Maria Cristina Boidi – LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen (Österreich)
    foto: lefö
    v.l.n.r.: Kouka Garcia, Camille Cabral – PASTT Prévention Action Santé Travail pour les Transgenres (Frankreich), Jennifer Butler – UNFPA United Nations Population Fund, Maria Cristina Boidi – LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen (Österreich)
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