PR-Arbeit und Geisterbahn

17. Oktober 2006, 21:26
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Der finnische Tourismusverband bat nach feinem Essen im "Hansen" zu einem Lordi-Gig in die Wiener Arena

Finne, sagt das Klischee, ist eine lustige Haut. Weniger wegen Tango, Sauna & Kaurismäki, sondern ob anderer Spompernadeln: Die Welt verdankt Finnland schließlich so sinnlos-sympathische - äh - "Sportarten" wie Handyweitwurf- und Luftgitarrenmeisterschaften, Schlammfußball, Gelsenwettklatschen oder Gummistiefelweitwerfen. Weil sich derlei im Ausland aber schwer authentisch präsentieren lässt, ist der finnische Tourismusverband glücklich über Lordi. Und weil die Vorstadtmetall-Grottenbahncombo mit Songcontestlorbeer gerade auf Tournee ist, bat man Mittwochabend zu Dinner & Rock: Einem feinen Essen im "Hansen" folgte Rawumms in der Arena. "Solange wir es aushalten", beruhigte Touristikmanagerin Ritva Müller vorab. Doch es kam anders: Angesichts kettenhemdtragenden Vorstadtgören im Publikum entwich dem suomiphilen Karikaturisten Tex Rubinowitz zwar zunächst mehrfach "schrecklich", aber das Grauen mutierte rasch zu echter Breitbandheiterkeit. Obwohl Österreichs Luftgitarren-WM-Ausrichter Mickey Klemsch dann noch auf Backstage-Personal traf, das versicherte, Lordi hätten für die mehrwöchige Tour nur ein Kostümset eingepackt. Und der Geruch ...

Geschenkt. Die offene Frage, des Abends lautete anders: Ist es vorstellbar, dass die Österreichwerbung mit ähnlichem Mut zur Selbstironie im Ausland erfolgreich PR-Arbeit für Landschaft und Weltkulturerbe macht?

Schlaflos im Bettenland

Eigentlich beginnt die "Blickfang" erst am Wochenende. Und genau genommen findet die Designmesse nicht am Wallensteinplatz (Wien, Brigittenau), sondern im MAK statt. Aber weil Möbel-, Schmuck- und Modedesign nicht (nur) ins Museum, sondern ins echte Leben gehören, gibt es ein Rundumprogramm. Unter anderem in Lucas Stürzenhofeckers Schlafhardware-Laden "Lucas Bett & Raum" in der Brigittenau. Mittwochabend wurde dort die gute Nacht beschworen - mit Option zum Testschlummer. Zur Kinderbetthupferlzeit las die Geschichtenerzählerin Eva Kindl, spätabends setzte sich dann Karl Markovic ans Erwachseneneinschlafbuch. Bloß: Wirklich einschläfernd wollte des Schauspielers Vortrag nicht wirken - dafür den Betten die Schuld zu geben, wäre allerdings sowohl denen als auch dem Vorleser gegenüber ziemlich gemein. (DER STANDARD - Printausgabe, 13. Oktober 2006)

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    Freundliche Menschen aus einem friedlichen, ruhigen Land: Die Finnlandwerbung bat zum Lordi-Gig.

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