Weiße Stöcke fahren ins Leere

16. Oktober 2006, 11:37
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Blindenverband bemängelt Anstieg an kaum erkennbaren Hürden - "Tag des weißen Stocks" am kommenden Sonntag

Wien - Ein Absperrband kann zu schweren Verletzungen führen. Ebenso ein Verkehrsschild oder ein Plakatständer - wenn man in eine Baugrube stürzt oder sich den Kopf an einem Hindernis stößt, weil man es nicht wahrnehmen kann. Denn für Blinde und stark Sehbehinderte werden die Hürden auf den Gehsteigen nicht weniger, erinnert der Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband (ÖBSV). Der Anlass: Der "Tag des weißen Stocks" am kommenden Sonntag.

Rund 10.000 Menschen in Österreich sind vollständig blind, weitere 400.000 haben eine Sehbeeinträchtigung, die mit Brillen oder Operationen nicht mehr behebbar ist. Ein Bevölkerungsanteil, der mit der Überalterung der Gesellschaft steigen wird, wie ÖBSV-Sprecher Rainer Kavalir zu bedenken gibt. Und die durch eine Zunahme von fest verankerten Hindernissen speziell in den Städten vor Probleme gestellt wird.

Während Straßenlaternen oder Litfaßsäulen mit einem Stock relativ leicht zu erkennen sind, ist es bei Fahrradständern oder "City-Lights" schwieriger. Stehen diese doch auf Stelzen, zwischen denen der Blinde kein Hindernis ortet, bis er dagegen prallt.

Auch bei Baustellen führt Gedankenlosigkeit immer wieder zu gefährlichen Situationen, weiß Kavalir zu berichten. "Wenn beispielsweise eine Baugrube nur mit einem Absperrband abgesichert ist. In dem Moment, wo der Blinde das spürt, kann es schon zu spät sein." Ebenso ein Problem: Temporärere Verkehrsschilder, deren Ecken auf Kopfhöhe sind.

Mehr Kontraststreifen

Als Lösung wünscht sich ÖBSV-Präsident Klaus Martini andere Baunormen.Taktile Leitsysteme von und zu öffentlichen Gebäuden sollten ebenso fix werden wie Kontraststreifen auf Glasflächen.

Neben dem Tag des weißen Stocks, bei dem die nationalen Verbände auf die Probleme ihrer Mitglieder aufmerksam machen, gibt es auch den "Welttag des Augenlichts". Der wurde am Donnerstag begangen und beschäftigt sich mit Blindheit global - denn 80 Prozent der Erkrankungen wären laut der Weltgesundheitsorganisation WHO durch Behandlung oder bessere Lebensbedingungen vermeid- oder heilbar. (moe, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Oktober 2006)

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