"Einfach mal die Schnauze halten"

13. Oktober 2006, 19:35
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Das Murren über Stoiber wird auch in der CSU immer lauter

München/Berlin - Wenn Edmund Stoiber am heutigen Freitag in die Augsburger Schwabenhalle einzieht und in die Gesichter der rund 1000 Delegierten blickt, dann wird er vermutlich ein stummes Dankgebet zum Herrgott schicken: Danke, dass dieser 71. Parteitag der CSU lediglich ein "Arbeitsparteitag" ist und keiner, an dem auch noch Vorstandswahlen anstehen.

13 Jahre lang ist Stoiber jetzt mit absoluter Mehrheit ausgestatteter Ministerpräsident von Bayern, sieben Jahre lang Vorsitzender der CSU - und wieder einmal bläst ihm scharfer Wind ins Gesicht. Kurz vor dem Parteitag hat sich früher Undenkbares ereignet: "Stoiber sollte sein Amt auslaufen lassen", fordert Joachim Doppel, Chef der Frankenwald-CSU. Seine Begründung: In Umfragen nach den zehn beliebtesten bayerischen Politikern liege Stoiber nur noch auf dem letzten Platz. Da wäre es doch besser Horst Seehofer, Gesundheitsminister in Berlin, die CSU übernehme.

Überhaupt - die Umfragen. Auch Infratest dimap ermittelte Unerfreuliches: 57 Prozent der Bayern sind dafür, dass Stoiber bei der Landtagswahl 2008 nicht mehr für das Amt des Ministerpräsidenten kandidiert. Das ist auch ganz im Sinne von Alfred Sauter (CSU). Stoibers ehemaliger Justizminister hat für den zweitägigen Parteitag einen Antrag vorbereitet: Das Amt des Ministerpräsidenten soll auf zwei Legislaturperioden begrenzt werden, außerdem soll es eine Direktwahl geben.

Bis heute hat sich Stoiber nicht von seinem persönlichen Annus horribilis 2005 erholt. Vor der Bundestagswahl wollte er als Wirtschaftsminister nach Berlin gehen, als es so weit war, kniff er. Doch nicht nur dieser Rückzieher hat ihn viele Sympathien gekostet, sondern auch seine permanenten Querschüsse gegen Kanzlerin Angela Merkel. Viele in der CSU meinen nun, Stoiber solle sich doch an den Rat von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) halten. Der meinte vor Kurzem: "Es wäre besser, einfach mal die Schnauze zu halten." (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2006)

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