Warten auf ein Wunder

12. Oktober 2006, 18:36
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Viennale-Stammgast Rudolf Thome präsentiert in Wien seinen neuen Film "Du hast gesagt, dass du mich liebst".

"Lieber Gott, wenn es dich gibt": Mit dieser Anrede beginnen Menschen zu beten, die keine andere Lösung mehr sehen, als die mutmaßlich höchsten Stellen einzuschalten.

Johanna Perl verfällt auf Gott, weil sie zu aufgeklärt ist, noch an die Männer zu glauben. Sie hat sich von einem Lebenspartner getrennt, weil er ihr nicht die Treue halten konnte. Nun hat sie schon seit zwei Jahren keinen Sex mehr gehabt und wäre für ein Wunder durchaus zu haben.

Es kommt in Form einer Kontaktanzeige: Da sucht ein Mann, der sich "als nicht besonders schön, aber auch nicht besonders hässlich" bezeichnet, eine "Heilige, Gefährtin, Hure". Den Begriff Hure konnte er in der Anzeigenabteilung nur durchsetzen, indem er ihn als Zitat (von Henry Miller) auswies.

Johanna Perl legt also "Kriegsbemalung" auf die Lippen und unter die Augen und erscheint mit einer Stunde Verspätung zum vereinbarten Treffen. Dort wartet Johannes Kreuzberger auf sie, ein hagerer Schriftsteller mit Bart und Glatze. Er ist auch ein wenig nervös und hat deswegen schon den einen oder anderen Wodka intus. Der Tag und der Abend und die Nacht verlaufen so problemlos nach beidseitigem Wunsch, dass ein göttlicher Plan dahinterzustecken scheint.

Glaubensfragen

Bei dem Berliner Filmemacher Rudolf Thome geht es schon seit einiger Zeit immer wieder um Glaubensfragen. Das hat mit der Entwicklung seiner Figuren zu tun, die es auch nach schlechten Erfahrungen nicht aushalten, allein zu sein. Sie setzen unverdrossen auf die Liebe, wie von selbst kommt dabei eine Ebene der Transzendenz ins Spiel, die von der Objektwahl schnell auf den Gottesbeweis kommt.

Du hast gesagt, dass du mich liebst ist Thomes dritter Film innerhalb kürzerer Zeit mit Hannelore Elsner, einer Schauspielerin, die immer schon ein Star war, durch Oskar Roehlers Die Unberührbare aber zur Grande Dame des deutschen Kinos wurde. Ebenso interessant ist die Besetzung der männlichen Hauptrolle: Johannes Kreuzberger wird von Johannes Herrschmann gespielt, der 1988 in Der Philosoph, einem der Schlüsselfilme von Rudolf Thome, zu sehen war. Schon der Denker Georg Hermes war ein wenig verschroben, auch damals ging es um ein Buch, das die ganze Welt enthalten sollte.

In Du hast gesagt, dass du mich liebst gibt es zwei "literarische" Ebenen. Die eine ist der innere Monolog von Johanna Perl, die ständig mit sich (und Gott) spricht. Die andere betrifft den Roman, in dem Johannes Kreuzberger aufschreibt, was es über die Gefühle heutzutage zu erzählen gibt - es ist im Wesentlichen die Geschichte, die er mit Johanna Perl erlebt.

Seit mehr als dreißig Jahren, seit er von München nach Berlin übersiedelt ist, betreibt Rudolf Thome nun schon sein Langzeitprojekt über das Westberliner bohemistische Bürgertum. Seine Figuren, seine Darsteller werden älter, die Fragen und Probleme bleiben die gleichen, sie wiederholen sich inzwischen in zweiter Generation - Johanna Perls Tochter Sophia heiratet nicht zufällig einen Philosophen.

Thomes Figuren haben alles gelernt, nur nicht, ein wenig von sich abzusehen. Das macht sie anfällig für die Nachfrage beim lieben Gott, denn die Religion verheißt ja unbegrenzte Aufmerksamkeit.

Du hast gesagt, dass du mich liebst zeigt, wie man verwirrende Botschaften entziffert und sich zu einem bedingungslosen Ja zum Glück durchringt. (Bert Rebhandl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2006)

14. 10., 21.00, Urania
15. 10., 13.00, Metro
  • Kino, Liebe, Philosophie und Gottesbeweise: Hannelore Elsner in Rudolf Thomes "Du hast gesagt, dass du mich liebst".
    foto: viennale

    Kino, Liebe, Philosophie und Gottesbeweise: Hannelore Elsner in Rudolf Thomes "Du hast gesagt, dass du mich liebst".

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