Überalterung halbiert Wachstum

25. Oktober 2006, 18:28
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Österreichs Wirtschaft wird in Zukunft deutlich langsamer wachsen. Grund dafür ist die zunehmende Überalterung der Gesellschaft

Österreich wird sich wie auch die meisten anderen EU-Staaten mittelfristig von höheren Wachstumszahlen verabschieden müssen. Wächst die heimische Wirtschaft in den Jahren 2004 bis 2010 nach Schätzungen der EU-Kommission noch real durchschnittlich um 2,2 Prozent (EU 2,4), werden es von 2011 bis 2030 nur noch durchschnittlich 1,6 Prozent sein, und von 2031 bis 2050 geht die Brüsseler Behörde für Österreich gar nur noch von 1,2 Prozent aus. Damit wird sich die Wachstumsschere zu den Volkswirtschaften der USA, Indiens und Südamerikas noch deutlich vergrößern.

Überalterung der Gesellschaft

Grund für den Wachstumseinbruch in der EU ist die Überalterung der Gesellschaft, sagte Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia. Katastrophal wird sich diese Entwicklung nach Meinung Almunias auf die Staatsfinanzen der EU-Mitglieder auswirken. Ohne Gegenmaßnahmen würde die durchschnittliche Staatsverschuldung wegen hoher Gesundheits- und Pensionsaufwendungen auf bis zu 200 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) ansteigen.

Mit harten Einschnitten und Pensionsreformen werde es gelingen, die Staatsverschuldung auf 80 Prozent zu begrenzen, was immer noch deutlich über der Grenze von 60 Prozent liegt, die durch Maastricht und Stabilitätspakt festgeschrieben ist.

Relativ gut vorbereitet

Österreich ist im EU-Vergleich relativ gut auf die Entwicklung vorbereitet, meint die EU: Nach den harten Einschnitten im Pensionssystem 2003 und 2004 werden die altersabhängigen öffentlichen Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt bis 2050 nur um 0,2 Prozentpunkte steigen – einer der geringsten Werte in der gesamten EU. Ähnlich gering ist das Risiko für die öffentlichen Haushalte unter anderem in Dänemark, Estland, Finnland, Polen und Schweden. In Portugal oder Zypern – zwei der sechs Hoch-Risiko-Länder in der EU – beträgt der Anstieg im Vergleich dazu mehr als zehn Prozent. Dramatische Auswirkungen werden auch am Arbeitsmarkt befürchtet.

Derzeit ist ein Wirtschaftswachstum von 2,5 bis drei Prozent notwendig, um die vorhandenen Arbeitsplätze in der Industrie auch nur zu erhalten. Wachstumsraten von 1,6 Prozent und später 1,2 Prozent im Großteil der EU werden zu massivem Jobabbau führen. Die Arbeitslosigkeit wird zwar durch eine sinkende Gesamtbevölkerungszahl sowie die in Pension gehende Babyboom-Generation gemildert, doch zumindest bis 2017 wird die Zahl der Menschen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, noch weiter ansteigen, meint die EU-Kommission. (Michael Moravec aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2006)

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    Ohne Gegenmaßnahmen wird auch die Staatsverschuldung dramatisch auf bis zu 200 Prozent des BIP steigen, meint die EU.

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