Insolvenzverwalter vertröstet BenQ-Beschäftigte

19. Oktober 2006, 14:19
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Noch keine Details über Stellenabbau - Runder Tisch berät über Auffanglösung - IG Metall hält Siemens-Stellenbörse für Show

Die 3.000 Beschäftigten des insolventen Handyherstellers BenQ sollen frühestens in einer Woche über den Umfang des bevorstehenden Personalabbaus informiert werden. Insolvenzverwalter Martin Prager sagte am Donnerstag bei einer Betriebsversammlung in München, er arbeite mit Hochdruck an einer Restrukturierung, um das Unternehmen zu retten. Zahlen oder Bereiche könne er aber noch nicht nennen. Ein Unternehmenssprecher hatte am Vortag den Abbau von mehr als 1.000 Stellen als realistisch bezeichnet.

Bei einem Runden Tisch berieten Vertreter von Siemens, der IG Metall, der Bundesagentur für Arbeit und der Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen am Nachmittag über eine Beschäftigungsgesellschaft. Dabei bekräftigte Siemens sein Hilfsangebot über 35 Millionen Euro. Davon sollten 25 Millionen für die Weiterbildung und Vermittlung und 10 Millionen für Hilfen in Härtefällen verwendet werden.

Über Ergebnisse des Gespräches auf Fachebene wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings wollen die Arbeitsministerien von Bayern und Nordrhein-Westfalen zu einem Spitzengespräch am 20. Oktober einladen, auf dem über die Lage von BenQ weiter beraten werden soll.

Die Kritik von Gewerkschaftern, die Siemens-Stellenangebote für BenQ-Mitarbeiter als Luftnummer kritisiert hatten, wies Siemens zurück. BenQ-Beschäftigte könnten sich auf mehr als 2.000 in Deutschland offene Vollzeitarbeitsstellen bei Siemens bewerben.

Dagegen sagte der Bocholter IG-Metall-Chef Heinz Cholewa der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", laut Siemens-Intranet seien nur 1.700 Stellen frei - davon über 500 für Praktikanten, Werksstudenten oder befristete Stellen. Außerdem seien die Anforderungen für die vollwertigen freien Stellen so hoch, dass sie für die meisten BenQ-Mitarbeiter nicht in Frage kämen.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte Prager mit der Aussage, er habe "einen verheerenden Eindruck" vom Zustand der BenQ Mobile. Der BenQ-Konzern in Taiwan hatte 2005 die Siemens-Handysparte übernommen und eine langfristige Sicherung der Stellen versprochen, die deutsche Tochter hatte aber Ende September überraschend zur Insolvenz angemeldet. Laut Insolvenzrecht darf BenQ Mobile nur noch bis 31. Dezember Verluste zu Lasten der Gläubiger schreiben. Danach darf der Betrieb nur noch fortgeführt werden, wenn er profitabel ist.

Der Insolvenzverwalter klopfe zur Zeit alle Bereiche ab und arbeite an der Restrukturierung, um das Unternehmen als Ganzes zu erhalten, sagte eine Sprecherin. "Dass das mit Personalabbau verbunden ist, ist klar."

Gesamtbetriebsratschef Michael Leucker warf Siemens vor, BenQ-Mitarbeiter schon bisher ausgetrickst zu haben. Beim Verkauf der Handysparte an BenQ habe Siemens zugesagt, BenQ-Mitarbeiter bei Stellenausschreibungen von Siemens drei Jahre lang wie eigene Mitarbeiter zu behandeln. Das sei aber nicht geschehen, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Siemens bestätigte am Donnerstag ein vertraglich festgelegtes Abwerbeverbot. Mit Prager habe der Konzern jetzt vereinbart, dass die BenQ-Personalstelle Bewerbungen an Siemens weiterleite, um das Abwerbeverbot zu umgehen.(APA)

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