Al-Kaida-Sprecher wegen Hochverrats angeklagt

16. Oktober 2006, 08:38
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Zum Islam übergetretener US-Bürger drohte in fünf Videos mit blutigen Anschlägen

Washington - Ein zum Islam übergetretener US-Bürger, der als ein Sprecher des Terrornetzwerkes Al Kaida in fünf Videos den Vereinigten Staaten mit blutigen Anschlägen drohte, ist wegen Hochverrats angeklagt worden. Außerdem setzte das US-Bundeskriminalamt den 28-Jährigen Adam Gadahn am Mittwoch (Ortszeit) auf die Liste der weltweit meist gesuchten Terroristen und kündigte für dessen Ergreifung eine Belohnung von einer Million US-Dollar (797.257 Euro) an. Hochverrat gilt als schwerwiegendstes Verbrechen in den USA und kann mit der Todesstrafe geahndet werden.

Gadahn wurde von einer Geschworenen-Jury in Santa Ana in Kalifornien außerdem wegen der Unterstützung einer Terrororganisation angeklagt. Der 28-Jährige gilt als derzeit bekanntester islamischer Extremist mit US-Staatsbürgerschaft. "Asam, der Amerikaner", wie sich der Angeklagte nennt, arbeitete zuerst als Übersetzer für führende Al-Kaida-Mitglieder, bevor er als englischsprachiger Sprecher und Propagandist für Aufsehen sorgte. In einem Video drohte der Angeklagte beispielsweise: "Die Straßen Amerikas sollen voll mit rotem Blut laufen. Die Opfer werden zu viele sein, um sie zu zählen. Und die nächste Welle der Angriffe kann jederzeit kommen."

Der gebürtige Adam Pearlman stammt aus einer christlich-jüdischen Familie und wuchs auf einer Ziegenfarm südlich von Los Angeles auf. Mit 17 Jahren trat er zum Islam über. 1998 reiste er zum Studium nach Pakistan. Dort soll sich der Angeklagte derzeit auch aufhalten. Es sei die erste Anklage wegen Hochverrats seit den Zeiten des Zweiten Weltkriegs, sagte Vize-Justizminister Paul McNulty. Hochverrat sei das schwerwiegendste Verbrechen, das die US-Verfassung kenne.

Zuletzt war in den USA der japanischstämmige Tomoya Kawakita wegen Hochverrats angeklagt, der während des Zweiten Weltkrieges als Übersetzer bei einer japanischen Minengesellschaft arbeitete und US- Kriegsgefangene gefoltert hatte. Der Oberste Gerichtshof der USA bestätigte 1952 in letzter Instanz die Todesstrafe. Der frühere US-Präsident Dwight Eisenhower verwandelte das Urteil ein Jahr später auf Drängen Japans in eine lebenslange Haftstrafe. 1963 schob John F. Kennedy Kawakita nach Japan ab.

In der gesamten Geschichte der USA wurden nach Angaben des Justizministeriums etwa 40 Personen wegen Hochverrats angeklagt. (APA/dpa)

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