Falknerei gefährdet Sakerfalken

23. Oktober 2006, 14:32
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Wiener Studie belegte anhand von historischen Präparaten, dass Hybrid-Zucht Erbgut der einzelnen Arten verfälscht

Wien - So seltsam es klingt: Die Falknerei gefährdet die Falken. Wissenschafter am Naturhistorischen Museum Wien (NHM) haben mittels Erbgutanalysen von historischen Präparaten herausgefunden, dass Sakerfalken durch das Kreuzen mit Gerfalken heute ein anderes Erbgut haben als etwa noch vor einem Jahrhundert. Die Untersuchungen wurden vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.

Hybriden verschiedener Arten

Der Sakerfalke ist stark bedroht. In Österreich gibt es heute noch 20 bis 25 Brutpaare, in ganz Europa sind es noch rund 300. Um die Nachfrage etwa für die so genannte Beizjagd befriedigen zu können, werden die Tiere gezüchtet. Seit den 1990er Jahren kreuzt man auch verschiedene Falkenarten. Teilweise mittels künstlicher Befruchtung erhält man so genannte Hybriden verschiedener Arten.

Kein natürliches gemeinsam Vorkommen

Beliebt sind Kreuzungen zwischen dem Sakerfalken und dem großen Gerfalken aus dem Norden, erklärte Franziska Nittinger vom NHM. Beide Arten kommen natürlicherweise nicht gemeinsam vor. Die Hybridfalken sind bei Falknern aber sehr beliebt, das sie größer sind als der Sakerfalge und auch andere Jagdtechniken beherrschen.

Genfluss nachgewiesen

Bis jetzt war unklar, inwieweit es durch entkommene Hybridfalken zu Veränderungen des Erbguts der natürlichen Population der Sakerfalken beitragen. In den Sammlungen des NHM haben die Wissenschafter nun Vergleichsmaterial gefunden. In der Vogelsammlung finden sich bis zu 120 Jahre alte Präparate, in denen immer noch Erbsubstanz (DNA) vorhanden ist, wenngleich teilweise in Resten und zerstückelt. Mit modernen molekularbiologischen Methoden ist es dennoch möglich, das Erbgut zu rekonstruieren.

Es zeigte sich, dass es in den vergangenen Jahren sehr wohl einen Genfluss durch die Falkenhybriden gegeben hat, so Nittinger. Ein bestimmter Gentyp, der historisch nur in der Gerfalken-Population nachweisbar ist, findet sich heute auch unter den Sakerfalken.

Potenzielle Gefahren

Die Wissenschafter fürchten, dass so typische Anpassungen des Sakerfalken verloren gehen und die ohnehin kleine Population anfälliger gegen Krankheiten oder Parasiten werden könnte. Als Maßnahmen kommen laut Nittinger eine freiwillige Einschränkung der Falkenzüchter in Betracht oder auch ein Verbot der Hybridfalkenzucht, wie es seit 2005 in Deutschland besteht. (APA)

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    Die ohnehin kleine Population der Sakerfalken sehen Wiener Wissenschaftler durch entkommene Zucht-Hybridexemplare bedroht.

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