EU-Kommission mahnt zum Kinderkriegen

12. Oktober 2006, 12:39
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Strategiepapier zum Bevölkerungswandel in Brüssel präsentiert - Sozialkommissar Spidla: Chancengleichheit erhöhen

Brüssel rüttelt am Pensionsnalter - Kommissar will mehr Kinder in EU "Es wird uns an Arbeitskräften fehlen"

Brüssel (APA/dpa) - Die EU-Kommission sucht nach neuen Regeln für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Außerdem müssten die Deutschen und andere Europäer mehr Kinder kriegen, mahnte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla vor der Verabschiedung eines Strategiepapiers zum Bevölkerungswandel an diesem Donnerstag in Brüssel. "Es wäre besser, wenn in Deutschland mehr als 1,5 Kinder pro Mutter zur Welt kämen", sagte Spidla vor Journalisten. Beispiele für eine erfolgreiche Familienpolitik gebe es unter anderem in Frankreich.

Mangel an Arbeitskräften

Die Kommission antwortet mit ihren Überlegungen auf die wachsende Überalterung der europäischen Bevölkerung: Die Menschen sterben immer später und bekommen weniger Kinder. "Es wird uns an Arbeitskräften fehlen", warnte Spidla. Ihre Zahl werde im Jahr 2030 EU-weit um 20 Millionen niedriger liegen als heute - eine Zuwanderung von 1,8 Millionen Menschen pro Jahr schon eingerechnet. In der Folge wird laut Kommissionspapier das Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent im Zeitraum 2004-2010 auf 1,2 Prozent zwischen 2030 und 2050 sinken.

Die neue Initiative soll Spidla zufolge dafür sorgen, den Wandel in der Bevölkerungsstruktur bei allen politischen Vorhaben der EU zu berücksichtigen. Konkret schlägt die Kommission vor, die Teilnahme von Menschen über 65 Jahren am wirtschaftlichen Leben zu stärken. "Ohne ein späteres Renteneintrittsalter wird das nicht möglich sein", meinte Spidla.

Positivbeispiele

Zu den niedrigen Geburtenraten in vielen EU-Staaten verwies der Kommissar auf positive Beispiele aus Schweden, Dänemark, Frankreich und Irland: Dort seien besonders viele Frauen berufstätig und zugleich kämen überdurchschnittlich viele Kinder zur Welt. Wichtig seien passende Angebote zur Kinderbetreuung: "Es ist schön, wenn es Kindergärten gibt, aber sie sind nicht sehr effizient, wenn sie um 13 Uhr schließen."

Lohnende Attacke

Berufstätige Frauen, die ihre Kinder in Krippe oder Kindergarten schicken, dürften nicht länger als Rabenmütter kritisiert werden. "Raben sind sehr gute Eltern", meinte Spidla. "Auch wenn ein Mann zu Hause bei den Kindern bleibt, steht er unter gesellschaftlichem Druck." Deshalb müsse sich die gesellschaftliche Wahrnehmung im Sinne der Chancengleichheit ändern: "Es lohnt sich, diese Vorurteile zu attackieren." (APA)

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    EU-Kommissar Vladimir Spidla will Vorurteile gegenüber "Rabeneltern" attackieren.
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